17.10.11

Neue Option beim Lungenkrebs - Mehr Therapiechancen bei fortgeschrittener Erkrankung

Wird die Diagnose „Lungenkrebs“ gestellt, so ist die Erkrankung meist schon fortgeschritten. Die Behandlungsmöglichkeiten waren bislang in einer solchen Situation begrenzt. Neben der Operation dominierte vor allem die Chemotherapie. Nun ist für Patienten mit bestimmten Tumormerkmalen (Mutation in einem Gen für ein spezielles Wachstumssignal) eine weitere Therapieoption verfügbar geworden: Sie können direkt nach der Diagnosestellung auch mit einem zielgerichtet wirkenden Wachstumshemmer in Tablettenform behandelt werden.

Eine entsprechende Veränderung im so genannten EGFR-Gen liegt bei jedem zehnten Patienten vor. „Wir haben dank der modernen Medikamente beim Lungenkrebs jetzt mehr Behandlungsmöglichkeiten als früher“, erklärt dazu Dr. Martin Reck aus Großhansdorf. „Nun müssen wir schauen, zu welchem Zeitpunkt welche Behandlungsform die beste ist“. Konkret ist zu prüfen, ob der Wachstumshemmer vor oder nach der Chemotherapie eingesetzt wird. Die klinischen Studien mit dem Wirkstoff haben ergeben, dass dieser bei Patienten mit einer Mutation im EGFR-Gen zum einen direkt nach der Diagnosestellung wirksam ist. Er kann davon abgesehen generell im Anschluss an eine Chemotherapie dazu beitragen, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen. „Die Chemotherapie scheint etwas an dem Tumor zu verändern, da der Wachstumshemmer anschließend auch bei Patienten wirkt, die keine Mutation der Krebszellen aufweisen“, so Reck. Unabhängig vom Zeitpunkt der Behandlung hat der Wirkstoff für die Patienten Vorteile im Vergleich zur gängigen Chemotherapie: Er wird nicht als Infusion verabreicht, sondern als Tablette eingenommen. Die Behandlung kann somit zuhause erfolgen. „Ich konnte dadurch meinen Alltag ganz anders planen und genieße es vor allem, mehr Zeit für mich und meine Familie zu haben“, berichtete eine Patientin mit Lungenkrebs bei der Vorstellung der neuen Behandlungsmöglichkeit in Hamburg. Der neue Wirkstoff ist selbstverständlich nicht frei von Nebenwirkungen. „Meine Haut juckte manchmal und sie ist dünner geworden als vor der Behandlung. Anfangs hatte ich Durchfälle, aber das ist bereits seit Monaten vorbei. Mit den Begleitreaktionen der Therapie konnte ich gut leben. Sie stehen in keinem Verhältnis zu den heftigen Nebenwirkungen, die ich unter der Chemotherapie erlebt habe“, erzählte die Frau vor Ort. Durch die neue Therapieform kann ein Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium in aller Regel nicht geheilt werden, hieß es in Hamburg. Aber das Fortschreiten der Erkrankung wird verzögert und das bei guter Lebensqualität.

 

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