Den Motor der Tumorzellen gezielt abschalten - Es gibt Fortschritte beim Lungenkrebs

Der Lungenkrebs gehört allgemein zu den schwer behandelbaren Erkrankungen. Dennoch gibt es auch bei diesem Tumor spürbare Behandlungsfortschritte, betonte Dr. Ulrich Gatzemeier aus Großhansdorf bei der Jubiläumsveranstaltung der Initiative „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ in Hamburg. „Wir konnten die Heilungsraten beim Lungenkrebs in den vergangenen 30 Jahren verdoppeln und haben auch erreicht, dass Patienten, die nicht geheilt werden können, mit der Tumorerkrankung weitaus länger leben können“.
Das aber ist den Krebsmedizinern nicht genug, es wird intensiv an der Entwicklung weiterer Fortschritte gearbeitet. Bereits seit einigen Jahren ist es laut Professor Dr. Wolfram Brugger aus Villingen-Schwenningen möglich geworden, auch die Behandlung beim Lungenkrebs zielgerichtet auf den individuellen Tumor zuzuschneiden. „Der Tumor wird vor Beginn der Behandlung eingehend untersucht und anhand der ermittelten Befunde werden die Medikamente ausgewählt, die der Patient erhält“, berichtete er in Hamburg. Diese Entwicklung wird sich aus seiner Sicht künftig noch fortsetzen. „Wir können die Tumorzellen immer besser auf molekularer Ebene charakterisieren und das wird uns Fortschritte bei der zielgerichteten Therapie erlauben“, prognostizierte Brugger.
Viele Patienten mit Lungenkrebs können nach seinen Worten schon heutzutage von den neuen Medikamenten der zielgerichteten Therapie profitieren. Patienten mit bestimmten Veränderungen (Mutationen) der Tumorzellen können beispielweise mit einem Wachstumshemmer in Tablettenform behandelt werden, wodurch sich das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten lässt. Noch relativ neu ist außerdem die Möglichkeit, durch einen speziellen Wirkstoff, der die Gefäßneubildung unterdrückt (Angiogenesehemmer) das Tumorwachstum aufzuhalten und den Tumor regelrecht auszuhungern. Mit beiden Strategien lässt sich quasi der „Motor der Tumorzellen“ gezielt abschalten.
Ein Fortschritt ist nach Ansicht von Professor Brugger auch die Einrichtung spezieller Lungenkrebszentren, in denen die Betroffenen entsprechend der Leitlinien mit viel Expertise behandelt werden und in denen sie die modernen Behandlungsformen erhalten und oft auch an klinischen Studien teilnehmen können. „Diese Zentren sind eine wichtige Bereicherung der Krebsmedizin, die den Fortschritt vorantreiben“, betonte der Mediziner in Hamburg.
Zur Sache: Seit 2005 gastierte die Informationsveranstaltung „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ bereits 50 Mal in insgesamt 45 deutschen Städten. Die Veranstaltungsreihe wird auch 2012 unter der bewährten Moderation von Dieter Kürten fortgesetzt. Informationen zu aktuellen Terminen sind auf der Internetseite www.der-zweite-atem.de zu finden.
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