15.02.12

Es gibt Fortschritte beim Eierstockkrebs - Interview mit Prof. Dr. Jalid Sehouli, Charité Berlin

Beim Eierstockkrebs, der Mediziner spricht vom Ovarialkarzinom, wurde zusätzlich zur bislang üblichen Therapie, die auf der Operation und der Chemotherapie basiert, eine weitere Behandlungsmöglichkeit in Form eines so genannten Angiogenesehemmers, also eines Hemmstoffs der Gefäßneubildung, zugelassen. Welche Frauen von der neuen Option profitieren können, erläutert Professor Dr. Jalid Sehouli in einem Interview. Professor Sehouli ist Direktor der Universitäts-Frauenklinik an der Charité in Berlin.

Herr Professor Sehouli, gibt es tatsächlich einen Fortschritt bei der Behandlung von Eierstockkrebs?
Ja, die Zulassung des Angiogenesehemmers ist aus meiner Sicht ein wichtiger Fortschritt. Der Antikörper unterbindet das Wachstum neuer Blutgefäße, über die sich der Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und hemmt so das weitere Tumorwachstum.

Welche Frauen profitieren von dieser Behandlungsoption?
Der Angiogenesehemmer wurde zugelassen zur Behandlung von Frauen mit bereits fortgeschrittenem Eierstockkrebs. Bei diesen Patientinnen – leider ist es die Mehrzahl der Frauen, die einen Krebs im Bereich des Eierstocks entwickeln – wird der neue Wirkstoff zusätzlich zu der üblichen Behandlung gegeben, stellt also keine Alternative dar, sondern ist eine zusätzliche Option.

Was können die Frauen als Behandlungserfolg erwarten?
Wir können bei einem großen Teil der Frauen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom mit unseren derzeitigen Möglichkeiten noch keine Heilung erzielen. Auch der Antikörper führt nicht dazu, dass der Tumor ganz verschwindet, also die Krebserkrankung definitiv geheilt wird.
Der Angiogenesehemmer bewirkt aber eine Hemmung des Tumorwachstums. Konkret haben wir in den klinischen Studien gesehen, dass sich die Zeit bis zum erneuten Auftreten des Tumors, zum Beispiel nach einer Operation und Chemotherapie, deutlich verlängert. Die erkrankten Frauen können dank dieser Behandlung zum Teil erheblich länger tumorfrei leben. Damit verbunden ist außerdem die Chance, auch beim Wiederauftreten des Tumors besser behandelt werden zu können. Denn wir wissen, dass die Therapiechancen besser sind, wenn erst nach einem längeren tumorfreien Intervall eine erneute Chemotherapie erforderlich wird.

Wie steht es mit Nebenwirkungen?
Die Angiogenesehemmung wird in aller Regel gut vertragen. Sie hat nicht die Nebenwirkungen einer klassischen Chemotherapie, es kommt also im Allgemeinen nicht zu Übelkeit oder Erbrechen und die Frauen brauchen auch keinen Haarausfall zu fürchten. Die häufigste Nebenwirkung ist ein Ansteigen des Blutdrucks, was die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente notwendig machen kann, in aller Regel aber keinen Therapieabbruch erfordert.

Was kann man als betroffene Patientin tun, um im Falle eines Eierstockkrebs eine optimale Behandlung zu erhalten?
Wir raten den Frauen, sich an eine Klinik zu wenden, die umfassende Erfahrung bei der Therapie des Ovarialkarzinoms hat und bei der eine Qualitätssicherung gegeben ist. Vor allem Kliniken, in denen Studien zum Eierstockkrebs durchgeführt werden, sind aus meiner Sicht günstig, da die Frauen dann oft auch die Möglichkeit haben, in eine solche Studie eingeschlossen zu werden und damit direkt von möglichen Therapiefortschritten zu profitieren.  

Herr Professor Sehouli, herzlichen Dank für das Interview.

 

 

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