30.08.11

Gut informiert dem Krebs die Stirn bieten - Interview mit Dr. Regine Hagmann, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID)

Seit nunmehr 25 Jahren steht der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums, kurz KID, Menschen mit Krebs mit Rat und Tat zur Seite. Patienten, aber auch Angehörige und allgemein Interessierte können sich mit ihren Fragen telefonisch oder auch per E-Mail an den KID wenden und werden kompetent beraten. Warum es für Krebspatienten besonders wichtig ist, gut über die Erkrankung und deren Behandlung informiert zu sein, erläutert die Leiterin des KID, Dr. Regine Hagmann, in einem Interview.

Frau Dr. Hagmann, warum ist es für Krebspatienten so wichtig, gut informiert zu sein?

Krebs ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung und die Diagnose Krebs ist ein sehr einschneidendes Erlebnis im Leben eines Menschen. Viele Krebspatienten berichten, dass sie sich wie entwurzelt fühlen, unsicher sind, Ängste haben und dass es für sie in dieser Situation schwierig ist, Entscheidungen zu treffen. Andererseits sind Krebspatienten zunehmend gefordert, über medizinische Maßnahmen, beispielsweise Behandlungsvorschläge, mit zu entscheiden. Die Krebsmedizin hat große Fortschritte in den vergangenen Jahren gemacht und es gibt bei vielen Tumoren inzwischen gute Heilungschancen. Bei anderen Krebsformen gelingt es zunehmend, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und den Krebs so praktisch zu einer chronischen Erkrankung werden zu lassen. Für die Patienten bedeutet das, dass sie zum Teil sehr lange mit dem Tumor leben und dass sie sich immer wieder mit der Erkrankung auseinandersetzen müssen. Viele Krebspatienten möchten sich an den Therapieentscheidungen beteiligen. Dazu benötigt man selbstverständlich fundierte Informationen. Man erhält diese primär vom Arzt, aber es kann durchaus sinnvoll sein, auch darüber hinaus aktiv zu werden und sich über die Erkrankung zu informieren.

Wie helfen solche Informationen den Patienten?

Informationen können helfen, Unsicherheiten abzubauen. Sie können dabei unterstützen, eine Entscheidung zu treffen. Sind Patienten in die Entscheidung für eine Therapie einbezogen und verstehen sie, worum es geht, können sie meist mit möglichen Nebenwirkungen auch besser zurechtkommen. Insofern sind verlässliche Informationen wichtig und wertvoll und helfen den Betroffenen, die doch häufig belastende Krebstherapie durchzustehen und die Erkrankung auch seelisch zu bewältigen.

Der Krebsinformationsdienst bietet entsprechende Informationen. Wie können Krebspatienten vom KID profitieren?

Bei vielen Patienten bleiben auch nach einem guten Aufklärungsgespräch durch den Arzt noch Fragen offen – sei es, dass vergessen wurde, diese Fragen zu stellen, sei es, dass die Fragen erst nach dem Gespräch aktuell geworden sind. Dann können die Betroffenen den KID anrufen und werden dort Hintergrundinformationen und auch Antworten auf ihre individuellen Fragen bekommen. Eine ärztliche Aufklärung und Beratung kann der KID allerdings nicht ersetzen. Wir erleben es außerdem nicht selten, dass sich Menschen vor einem Arztgespräch bei uns melden und mit unseren Mitarbeitern besprechen, welche Fragen in ihrem individuellen Fall anstehen und im Arztgespräch gestellt werden sollten. Wer mehr über seine Erkrankung weiß, kann auch gezielter den Arzt fragen, was konkret zu tun und zu beachten ist. Es rufen außerdem nicht wenige Menschen beim KID an, weil sie versucht haben, sich via Internet über ihre Krebserkrankung zu informieren, aber durch die Informationsflut sogar noch verunsichert wurden. Es ist im Internet oft schwierig zu unterscheiden, welche Informationen seriös sind und welche nicht und zu bewerten, was für den Einzelfall relevant und richtig ist. Übrigens steht der KID auch Angehörigen und allgemein am Thema Krebs interessierten Menschen und auch Fachkreisen offen. 

Haben Menschen, die sich gut über ihre Krebserkrankung informieren, bessere Heilungschancen?

Es gibt dazu keine konkreten Daten. Für mich aber ist dies eine logische Schlussfolgerung. Ich bin davon überzeugt, dass ein gut informierter Patient besser als andere Patienten in der Lage ist, sich in unserem komplexen Gesundheitswesen zu orientieren und die Unterstützung  zu erhalten, die er braucht, um die Krankheit gut zu bewältigen. Dadurch, dass er mehr weiß, kann er sich an die richtigen Stellen wenden und möglicherweise wirklich eine effizientere Therapie erhalten. Auf jeden Fall wird er eher als andere in der Lage sein, die Behandlung, die er bekommt, zu verstehen und mitzutragen. Auch dies kann aus meiner Sicht im Umgang mit dem Krebs hilfreich sein und den Heilungsprozess unterstützen.                                      

Frau Dr. Hagmann, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Der KID ist an sieben Tagen in der Woche von 8.00 bis 20.00 Uhr zu erreichen unter der kostenfreien Rufnummer 0800 420 30 40. Informationen gibt es auch per E-Mail unter krebsinformationsdienst@dkfz.de und im Internet auf der Webseite www.krebsinformationsdienst.de.

 

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