05.10.11

„Nicht bei jeder Chemo fallendie Haare aus“ - Interview mit Dr. Björn-Wieland Lisboa, Duisburg

Viele Frauen leiden stark unter dem mit der Chemotherapie verbundenen Verlust der Haare. Sie sollten über ihre Befürchtungen vor der Behandlung offen mit ihren Arzt sprechen, rät Dr. Björn-Wieland Lisboa aus Duisburg. In einem Interview erklärt er, warum der Haarverlust so belastend ist.

Herr Dr. Lisboa, warum fallen im Verlauf der Chemotherapie üblicherweise die Haare aus?
Die bei der Chemotherapie verabreichten Zytostatika sollen Krebszellen am Wachstum hindern. Sie wirken leider auch auf gesunde Körperzellen und speziell auf solche, die sich rasch teilen. Die Chemotherapie führt dabei nicht zu einer Schädigung der Haarwurzelzelle, sondern bewirkt einen Wachstumstopp. Die Haare wachsen deshalb in der Regel nach Abschluss der Behandlung wieder vollkommen nach.

Wie belastend ist der Haarverlust für die betroffenen Frauen?
Das ist unterschiedlich, aber für viele Frauen ist der Haarverlust eine sehr belastende Begleiterscheinung der Chemotherapie. Das liegt schon an der Stigmatisierung. Wenn sich eine Frau ohne Haare zeigt, so ist praktisch klar, dass sie eine Chemotherapie bekommt und somit an einer Krebserkrankung leidet. Aber die Belastung ist noch tiefgreifender. Die betroffenen Frauen werden jedes Mal, wenn sie in einen Spiegel blicken, an die Erkrankung erinnert. Sie können diese kaum jemals vergessen und Entspannung vom Thema Krebs fi nden. Wir raten Frauen dazu, sich schon vor Behandlungsbeginn vorsorglich eine Perücke beim Friseur anfertigen zu lassen, wenn sie den Verlust der Haare kaschieren möchten. Es gibt andererseits zunehmend Frauen, die dies nicht möchten und einKopftuch oder Mützen nutzen, um den Kopf zu bedecken.

Gibt es Möglichkeiten, dem Haarverlust vorzubeugen oder ihn verhindern?
Vorbeugende Maßnahmen gibt es leider nicht. Es ist versucht worden, durch eine starke Kühlung der Kopfhaut die Haarwurzelzellen vor der Wirkung der Chemotherapie zu schützen. Die so genannten Cool-Caps haben sich aber nicht wirklich als effektiv erwiesen. Wir wissen aber, dass der Haarverlust davon abhängt, welche Form der Chemotherapie gewählt wird. Es gibt Behandlungsformen, bei denen die Haare weitaus weniger oder sogar kaum mehr ausfallen.

Müssen Frauen, die eine solche „haarschonende“ Chemotherapie erhalten, fürchten, dass diese weniger wirksam ist?
Nein, es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Haarausfall und der Wirksamkeit einer Chemotherapie. Der Haarausfall hängt davon ab, welche Substanzklasse gewählt wird. Deshalb ist es sinnvoll, dass Frauen, die auf keinen Fall ihr Haar verlieren möchten, vor Aufnahme der Behandlung offen mit ihrem Arzt besprechen, ob in Ihrer Situation eine solche Therapie eingesetzt werden kann.

Herr Dr. Lisboa, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

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