Diagnose oft erst bei fortgeschrittener Erkrankung - Interview mit Professor Dr. Wolfgang E. Schmidt, Bochum

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört leider nach wie vor zu den gefürchteten Krebsdiagnosen, weil die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt sind. Das liegt unter anderem daran, dass dieser Tumor meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Welche Beschwerden auf eine Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse hinweisen können und welche Hintergründe die Erkrankung hat, erläuterte Professor Dr. Wolfgang E. Schmidt aus Bochum dort bei der Informationsveranstaltung „Aus der Mitte – Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs“.
Welche Funktion hat die Bauchspeicheldrüse?
Die Bauchspeicheldrüse ist ein sehr bedeutsames Organ für den Menschen. Sie hat zwei Funktionen: Zum einen bildet sie Verdauungsenzyme, die dazu beitragen, die Nahrung im Darm zu zerlegen. Zum anderen ist die Bauchspeicheldrüse für die Bildung von Insulin zur Blutzuckerregulierung wichtig. Muss die Bauchspeicheldrüse entfernt werden, so müssen beide Funktionen durch eine entsprechende Behandlung ersetzt werden, also zum Beispiel durch die Einnahme von Verdauungsenzymen sowie durch das Spritzen von Insulin. Man wird somit dann automatisch zum Diabetiker.
Was passiert, wenn die Bauchspeicheldrüse nur noch eingeschränkt funktioniert?
In solchen Fällen kommt es in aller Regel zu einer Verdauungsstörung. Das führt bei vielen Betroffenen zum Auftreten so genannter Fettstühle, weil Fette kaum mehr verdaut werden können, und auch zur Gewichtsabnahme. Dem lässt sich durch Enzympräparate begegnen. Es kann außerdem bei eingeschränkter Funktion der Bauchspeicheldrüse zu einer diabetischen Stoffwechsellagekommen. Deshalb muss man unter anderem auch an einen Bauchspeicheldrüsenkrebs denken, wenn ein Diabetes aus unerklärlichen Gründen auftritt.
Was sind typische Beschwerden bei einer Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse?
Es gibt leider kaum charakteristische Symptome, mit denen sich der Bauchspeicheldrüsenkrebs – wir Mediziner sprechen von einem Pankreaskarzinom – bemerkbar macht. Das ist der Grund dafür, dass die Erkrankung meist erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. Symptome wie Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen, oder auch Rückenschmerzen, die in den Oberbauch ausstrahlen, können erste Anzeichen für ein Pankreaskarzinom sein, werden aber häufig als solche nicht erkannt. Zur Diagnose kommt es oft erst, wenn als Symptom der Erkrankung eine Gelbfärbung der Haut, also eine Gelbsucht, auftritt.
Es werden allgemein steigende Krankheitszahlen berichtet. Woran liegt das?
Zum einen werden heutzutage die Statistiken besser geführt, zum anderen steigt die Lebenserwartung der Menschen. Da die Erkrankung meist erst um das 70. Lebensjahr herum auftritt, nimmt die Häufigkeit etwas zu. Hinzu kommen wahrscheinlich Risikofaktoren wie das Rauchen und ein hoher Alkoholkonsum als Ursache. Denn Rauchen fördert nicht nur die Entstehung von Lungenkrebs, sondern auch von anderen Krebsformen. Es ist nachweislich bei 15 Krebsarten ein Risikofaktor. Dazu gehört auch das Pankreaskarzinom.
Gibt es ein erhöhtes Risiko zu erkranken, wenn in der Familie Bauchspeicheldrüsenkrebs aufgetreten ist?
Leider ja. Vor allem wenn nahe Verwandte in jungen Jahren an einem Pankreaskarzinom erkranken, ist das Risiko für die übrigen Familienmitglieder deutlich erhöht. Tritt die Erkrankung jedoch bei einem älteren Familienmitglied auf, so ist nicht generell von einem erhöhten familiären Risiko auszugehen.
Herr Professor Schmidt, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.
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