17.10.11

„Die Qualität der Krebstherapie soll noch besser werden“ - Interview mit Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft

Dr. Johannes Bruns

Zertifizierte Krebszentren haben sich bei der Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen verschiedener Organe etabliert. Nun geht es darum, die Qualität der medizinischen Versorgung von Krebspatienten in diesen Zentren weiter zu steigern. Was dies bedeutet, erläuterte Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, in einem Interview anlässlich des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Dresden.

Herr Dr. Bruns, lassen Diagnostik und Therapie in Brustkrebs- oder Darmkrebszentren noch zu wünschen übrig?
Nein, das kann man so nicht sagen. Mit diesen Zentren wurden Einrichtungen geschaffen, die sich auf die Diagnostik und Therapie der jeweiligen Krebserkrankung spezialisiert haben und den erkrankten Patienten eine hohe Kompetenz und Erfahrung und damit auch eine bestmögliche Behandlung bieten. Das aber bedeutet nicht, dass man nicht noch besser werden kann. Wir versuchen deshalb von Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft die Entwicklung der Organkrebszentren noch weiter in Sachen Qualitätsstandards voranzutreiben.

Was ist konkret Ihre Vorstellung?
Wir fordern, dass in den Zentren qualitätsgeprüft gearbeitet wird, also genaue Statistiken dazu geführt werden, wie erfolgreich die Behandlungen bei den Patienten waren. Das soll anhand konkreter, objektiver und nachvollziehbarer Kriterien wie zum Beispiel der Zeit des krankheitsfreien Überlebens kontrollierbar werden. Die Brustkrebszentren, bei denen dies bereits seit dem Jahr 2003 Standard ist, sind in dieser Hinsicht Vorreiter. Wir fordern nun, dass andere Organkrebszentren entsprechend nachziehen. Außerdem müssen die Behandlungsketten vom Operateur über die Kliniker und niedergelassenen Ärzte, die an der Behandlung eines Krebspatienten beteiligt sind, genau dokumentiert werden. Damit wird die Qualität der Behandlung besser überprüfbar. Denn eine gute Qualität ist nur zu gewährleisten, wenn alle Beteiligten einen hohen Qualitätsstandard erfüllen.

Erhalten Krebspatienten in den spezialisierten Zentren eine bessere Medizin?
Auch das lässt sich so nicht pauschal behaupten. Allerdings haben wir klare Hinweise darauf, dass Menschen mit Krebs, die in einem zertifizierten Zentrum behandelt werden, bessere Heilungs- und Überlebenschancen haben. Daten hierfür gibt es beim Brustkrebs, bei dem die Qualitätssicherung und Qualitätsüberprüfung ja schon etabliert ist. Wir vermuten, dass es bei anderen Krebsarten ähnlich ist, können dies bislang aber nicht eindeutig anhand von Daten belegen. Auch deshalb ist die standardisierte Qualitätsprüfung der medizinischen Versorgung in den zertifizierten Zentren aus unserer Sicht so wichtig. Die Qualität der Versorgung wird aber nicht nur durch das Organkrebszentrum bestimmt, sondern durch das gesamte Behandlernetz, das an der Diagnostik und Therapie beteiligt ist. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass wir die Dokumentation der Behandlungsketten fordern. Dabei muss sich jeder Beteiligte im Behandlungsnetz dem Qualitätsanspruch verpflichtet fühlen. Es muss ja auch jeder, der eine Fahrt in einer Gondel anbietet, sicherstellen, dass jeder Pfosten, den die Gondel passiert, diese sicher trägt.

Was soll die standardisierte Qualitätsprüfung weiter bezwecken?
Wir wollen erreichen, dass die zertifizierten Zentren nicht nur eine gute Diagnostik und Therapie der jeweiligen Krebserkrankung anbieten, sondern dass sie sich in dieser Hinsicht kontinuierlich weiterentwickeln. Die Zentren müssen sich stetig darum kümmern, dass die Qualität bei der Versorgung von Krebspatienten hoch bleibt und diese Bemühungen müssen nachvollziehbar und kontrollierbar werden. Nur so lässt sich auf Dauer eine optimale Behandlung der Patienten in den verschiedenen Bereichen gewährleisten.

Herr Dr. Bruns, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

 

 

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