Gute Chancen auf eine sehr fortschrittliche Behandlung - Interview mit Professor Dr. Jürgen Wolf, Köln

Warum es für Krebspatienten sinnvoll ist, an einer klinischen Studie teilzunehmen, erläutert Professor Dr. Jürgen Wolf, Leiter des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) Köln-Bonn an der Universitätsklinik Köln in einem Interview.
Herr Professor Wolf, raten Sie Krebspatienten zur Teilnahme an klinischen Studien?
Ja, wenn die Möglichkeit dazu besteht, rate ich den Krebspatienten, die wir betreuen, zur Teilnahme an klinischen Studien. Das hat zwei Gründe: Zum einen können Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung so häufig vielversprechende Medikamente erhalten, die noch gar nicht zugelassen sind, und haben hierdurch die Chance, die neueste und fortschrittlichste Behandlung zu bekommen. Zum anderen ist Fortschritt in der Therapie nur durch klinische Studien möglich. Wer sich an solchen Studien beteiligt, leistet damit auch einen Beitrag dazu, dass bessere Therapien im Kampf gegen Krebserkrankungen entwickelt werden.
Kann ein Patient, der an solchen Studie teilnimmt, sicher sein, dass er davon profitiert?
Das können wir leider nicht garantieren. Es liegt ja in der Natur der Sache, dass es sich um neue Behandlungsoptionen, also entweder neue Medikamente oder zum Beispiel eine neue Kombination von bekannten Medikamenten handelt, die in der Studie erprobt werden. In manchen Studien wird auch, wie wir sagen, doppelblind geprüft. Dann weiß weder der Arzt noch der Patient, ob das Prüfmedikament gegeben wird oder nicht.
Was passiert, wenn sich herausstellt, dass das zu prüfende Medikament besser wirksam ist, der Patient aber in der Kontrollgruppe behandelt wird und dieses Medikament somit nicht erhält?
Oftmals ist das ja genau die Fragestellung der Studie und man kann sie nicht vor der Endauswertung der Studie beantworten. Allerdings wird auch während laufender Studien kontinuierlich überprüft, ob in einem Studienarm eine schlechtere Therapie gegeben wird. Sobald dies ersichtlich ist, wird der betreffende Studienarm gestoppt.
Welche Risiken gehen Patienten ein, wenn sie an einer klinischen Studie teilnehmen?
Es werden prinzipiell nur klinische Studien durchgeführt, bei denen die potenziellen Risiken überschaubar und vertretbar sind. Jede Studie wird zudem von einer Ethikkommission begutachtet und muss von dieser genehmigt werden. Vor allem in den frühen Studien kann es allerdings sein, dass Nebenwirkungen auftreten, die wir noch nicht kennen. Deshalb werden die Patienten, die an solchen Untersuchungen teilnehmen, medizinisch sehr genau und sehr sorgfältig überwacht. Kommt es zu unerwarteten Reaktionen, so können und werden wir sofort eingreifen, die Patienten entsprechend behandeln und gegebenenfalls die Studienteilnahme oder auch die ganze Studie abbrechen.
Wie erfahre ich als Krebspatient, wie und wo ich an einer Studie teilnehmen kann?
Man wendet sich am besten zunächst an seinen behandelnden Arzt. Außerdem kann man sich auch selbst direkt im Internet darüber informieren, ob an den Universitätskliniken und Tumorkliniken in der Umgebung Studien für das jeweilige Krankheitsbild, an dem man leidet, laufen oder ob solche geplant sind. Dort gibt es meist auch direkt Hinweise auf den zuständigen Ansprechpartner am jeweiligen Institut.
Herr Professor Wolf, haben Sie vielen Dank für das Interview.
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