01.06.11

Krebsdiagnose belastet auch die Angehörigen - Sich Zeit für die eigenen Bedürfnisse nehmen

Die Krebsdiagnose belastet nicht nur den Betroffenen, sondern auch seine Angehörigen. „Wir wissen aus Untersuchungen, dass die psychische Betroffenheit der Familienmitglieder oft genauso hoch ist wie der Erkrankten“, sagt Dr. Andrea Petermann-Meyer aus Aachen. Bei einigen Krebsformen, wie etwa dem Prostatakarzinom, gibt es aus speziellen Erhebungen sogar Hinweise, dass die Partnerinnen der Patienten noch deutlich stärker psychisch belastet sind als diese selbst, erklärt die Psychoonkologin.

Dabei kommen Belastungen auf mehreren Ebenen zum Tragen: So sorgen sich Angehörige, den geliebten Menschen durch die Erkrankung verlieren zu können. Sie haben praktisch eine Doppelfunktion als selbst von Ängsten und Sorgen Betroffener und gleichzeitig quasi als „Beschützer“ des an Krebs erkrankten Familienmitglieds. Auch müssen Angehörige in aller Regel zusätzliche Aufgaben und Verantwortung übernehmen, um das gemeinsame Leben während der Erkrankung und deren Behandlung meistern zu können. „Angehörige von Krebspatienten glauben außerdem oft, stark sein und dem Partner sogar noch Hoffnung vermitteln zu müssen“, erklärt Frau Dr. Petermann-Meyer.

Damit aber ist eine Überlastung vorprogrammiert. Nicht selten kommt es in der Folge zur Entwicklung einer Depression oder sogar zum völligen Zusammenbruch der Angehörigen. Dies geschieht meist, wenn die akute Behandlung abgeschlossen ist und die Betreffenden das Gefühl haben, nun nicht mehr so dringend gebraucht zu werden. Um einer solchen Reaktion vorzubeugen, rät Petermann-Meyer den Angehörigen, sich möglichst früh über ihre enorme Belastung klar zu werden, sich die eigenen Grenzen bewusst zu machen und sich Zeit auch für die eigenen Bedürfnisse zu nehmen. „Gut ist es, wenn die anstehenden Aufgaben und Probleme auf mehrere Schultern verteilt werden können“. Das entlastet und bringt oft auch eine Kommunikation über die Erkrankung und deren Folgen in Gang. Diese kann ihrerseits helfen, Spannungen und Ängste abzubauen.

 

Ist man sich der hohen Belastung bewusst, so ist es laut Dr. Petermann-Meyer zudem leichter, im Bedarfsfall professionelle Hilfe zu suchen. Angehörige brauchen die psychologische Unterstützung nach ihren Worten genauso wie die Krebspatienten selbst und sollten sich daher auch nicht scheuen, diese bei ihrem Arzt einzufordern. „Oft aber hilft auch schon ein offenes Wort mit dem Partner“, sagt die Psychoonkologin. Das ausgesprochene und damit geteilte Leid macht es nach ihrer Erfahrung den Partnern einfacher, gemeinsam Hilfe und Unterstützung in dieser psychisch so belastenden Situation zu suchen und anzunehmen. 

 

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