26.08.11

Krebs – eine Erkrankung der Erbanlagen - Individualisierte Behandlung dank besserem Krankheitsverständnis

Die Krebsmedizin steht vor einer neuen Ära: Die Forscher lernen zunehmend, welche konkreten Veränderungen schuld daran sind, dass bestimmte Zellen entarten und ein krankhaftes Wachstum beginnen. Oft sind Mutationen im Erbgut die Ursache. Sie führen dazu, dass einzelne Zellen vermehrte Wachstumssignale erhalten.

Krebs ist daher als eine Art Erkrankung des Genoms, also des Erbgutes, zu verstehen, berichtete Professor George W. Sledge, Präsident beim amerikanischen Krebskongress in Chicago.

Die Zukunft der Krebsbehandlung liegt aus seiner Sicht darin, genau zu untersuchen, welche Genveränderung im individuellen Fall zum Tumorwachstum geführt hat. Diese Veränderung gilt es zu charakterisieren. Denn wird genau verstanden, was das krankhafte Zellwachstum veranlasst, dann lassen sich oft auch gezielte Strategien dagegen entwickeln, eine Richtung in der Krebsmedizin, die als „personalisierte Krebstherapie“ bezeichnet wird.

Sie hat unter anderem zur Konsequenz, dass zwei Patientinnen mit Brustkrebs zum Teil ganz unterschiedliche Behandlungsformen erhalten, abhängig davon, welche Genveränderung den Brust-
krebs im jeweiligen Fall ausgelöst hat. „Wir können inzwischen anhand der individuellen Mutationen, zum Beispiel beim Brustkrebs, verschiedene, genau definierte Untergruppen unterscheiden“, erklärte Professor Dr. Jürgen Wolf aus Köln im Nachgang zum amerikanischen Krebskongress. „Wir können damit die Behandlung genau auf den jeweils vorliegenden Tumor zuschneiden. In einer solchen personalisierten Krebstherapie sehen wir große Chancen, die Krebsbehandlung künftig noch weitaus effektiver und zugleich schonender für die Patienten gestalten zu können“, sagte der Onkologe bei einer Pressekonferenz in Köln.

Oft liegt dem Krebs laut Professor Wolf aber nicht nur eine einzige Genmutation zurunde. Zum Beispiel kennt man beim Lungenkrebs bereits verschiedene Veränderungen in den Signalwegen, die im individuellen Fall unterschiedlich aktiviert sein können. „Die Krebserkrankung ist als Summe einer Vielzahl genetisch definierter Erkrankungen zu verstehen“, so Professor Wolf.

Die konkreten Veränderungen waren lange unbekannt und die Behandlung konnte daher nur unselektioniert, quasi nach Schema F, erfolgen. In dieser Zeit wurden laut Wolf nur marginale Erfolge verzeichnet. Das Bild aber hat sich gründlich gewandelt: Je besser die Tumore und ihre Entstehung verstanden werden, umso besser können die Krebsmediziner in das krankhafte Geschehen eingreifen und das unkontrollierte Zellwachstum stoppen. Wolf: „Wir entwickeln nunmehr personalisierte Behandlungsstrategien und machen damit deutlich größere Fortschritte bei der Krebsbehandlung, was sich bei vielen Tumoren auch schon in spürbar besseren Behandlungschancen niederschlägt“.                               

 

 

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