Trotz Krebstherapie die Fruchtbarkeit erhalten

Bei der Diagnose Krebs geht es immer erst einmal darum, durch eine optimale Behandlung das Leben des Patienten oder der Patientin zu retten. An einen späteren Kinderwunsch nach erfolgreicher Behandlung denkt man in diesem Moment oft nicht.
Damit der Kinderwunsch später nicht unerfüllt bleibt, ist es jedoch wichtig, dass Arzt und Patient vor Beginn der Krebsbehandlung auch darüber sprechen, wie die Familienplanung nach erfolgreicher Therapie aussehen soll. Ist noch ein Kind geplant, so sind vorsorgliche Maßnahmen wichtig, damit die Fruchtbarkeit erhalten bleibt. Beim Mann ist das Problem meist einfach durch eine Samenspende zu lösen.
Bei Frauen ist die Situation komplizierter. Man wird nach Angaben von Professor Dr. Michael von Wolff aus Heidelberg versuchen, unbefruchtete Eizellen der Frau zu entnehmen und einzufrieren. Damit wäre ebenfalls eine spätere künstliche Befruchtung möglich.
Allerdings braucht das Verfahren Zeit, die Chemotherapie muss dann um zwei bis drei Wochen verschoben werden. Ist der Therapieaufschub wegen der Dringlichkeit der Krebsbehandlung nicht möglich, so können die Eierstöcke hormonell zur Eireifung stimuliert und zusammen mit Gewebe des Eierstocks eingefroren werden. „Das geht schneller, allerdings sind die Erfolgsaussichten nicht ganz so gut wie beim Einfrieren von normal gereiften Eizellen“, erklärt der Mediziner, der sich auf die Behandlung von Frauen mit Kinderwunsch spezialisiert hat.
Es gibt nach seinen Worten noch weitere Möglichkeiten, die Fertilität über die Krebstherapie hinaus zu erhalten, wie etwa das Verlagern der Eierstöcke aus dem Bestrahlungsfeld, wenn eine Strahlenbehandlung geplant ist. Wichtig ist aber, dass man sich vor Aufnahme der Chemo- oder Strahlentherapie über den möglichen späteren Kinderwunsch klar wird und rechtzeitig mit seinem betreuenden Onkologen spricht und den Rat eines so genannten Reproduktionsmediziners einholt.
Schutz der Fertilität bei Frauen
Die Möglichkeit, auch nach einer Krebsbehandlung schwanger zu werden, soll möglichst allen Frauen in Europa gesichert werden. Deshalb hat sich jetzt in Brüssel die „Europäische Task Force zum Schutz der Fruchtbarkeit bei Frauen mit Krebserkrankung“ gegründet. Das europäische Netzwerk greift vor allem auf Erfahrungen in Deutschland zurück. Denn hierzulande gibt es mit „FertiProtekt“ bereits länger schon ein Expertennetzwerk, das krebskranken Frauen helfen will, ihren Kinderwunsch trotz der Erkrankung und ihrer Behandlung zu realisieren.
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