Lungenkrebs – „darüber spricht man nicht“
Selbsthilfegruppe will Tabus aufbrechen – Menschen mit Lungenkrebs brauchen ebenso Unterstützung durch Mitbetroffene wie sie auch Menschen mit Brustkrebs oder anderen Tumoren geboten wird. „Das Angebot aber ist beim Lungenkrebs minimal“, sagt Barbara Baysal, die selbst 2001 an einem Bronchialkarzinom erkrankte.
Vergeblich versuchte sie, Kontakt zu anderen Lungenkrebs-Patienten zu finden, bis sie schließlich an ihrem Wohnort in Berlin eine sich in Gründung befindliche Selbsthilfegruppe Lungenkrebs fand. Dort traf Barbara Baysal auf Heidi Jäger, die ebenfalls an Lungenkrebs erkrankt war. Beide Frauen engagierten sich beim Aufbau der Gruppe und leiten mittlerweile eine bundesweite Selbsthilfegruppe für Menschen mit Lungenkrebs sowie deren Angehörige. „Wir verstehen uns vor allem als Forum zum Austausch untereinander“, erklärt Heidi Jäger.
Dieser Austausch ist sehr wichtig, denn Menschen mit Lungenkrebs sind ganz anderen Problemen ausgesetzt als zum Beispiel Frauen mit Brustkrebs oder Menschen mit einem Hirntumor. „Man fragt uns immer zuerst, ob wir geraucht haben und unterstellt uns dann, dass wir den Tumor selbst verschuldet haben“, erläutert dies Barbara Baysal. „Kein Wunder, dass Lungenkrebspatienten Schuldgefühle bekommen und eher dazu neigen, sich zu Hause zu vergraben, als mit ihren Problemen an die Öffentlichkeit zu gehen“, erklärt Frau Jäger.
Meist sind es denn auch die Angehörigen von Betroffenen, die sich zuerst bei der Berliner Selbsthilfegruppe melden. Diese versucht dann, beratend tätig zu werden, am Telefon und auch mit schriftlichem Informationsmaterial. „Wir versuchen, sehr umfassend über die Erkrankung aufzuklären, denn Wissen nimmt Angst“, sagt Frau Baysal. Angst steht nach ihren Worten deshalb meist auch im Vordergrund, wenn eine Chemotherapie oder Bestrahlungen angeordnet wurde: „Wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt, ist das eine ganz natürliche Reaktion“, so schildert sie ihre eigenen Erfahrungen. „Wenn man aber weiß, wie die Behandlung abläuft, nimmt die Angst ab. Und wenn man schwarz auf weiß nachlesen kann, was das Ziel der Behandlung ist und wie diese wirkt, ist man eher in der Lage, dem Arzt die individuell wichtigen Fragen zu stellen“, so Frau Baysal.
Zuhören und Trost spenden – auch das gehört mit zu den Aufgaben, denen die beiden engagierten Frauen sich stellen. Sie organisieren in Berlin außerdem regelmäßige Gruppentreffen zum Austausch von Betroffenen untereinander. Davon und vor allem von der intensiven Öffentlichkeitsarbeit erhoffen sie sich Signalwirkung auch in andere Regionen Deutschlands. „Wir brauchen Selbsthilfegruppen für Lungenkrebs-Patienten flächendeckend in ganz Deutschland“, sagt Frau Jäger. Für sie und Frau Baysal ist eines selbstverständlich: „Wenn wir Interessierte in anderen Teilen Deutschland finden, die in ihrer Region aktiv werden wollen, werden wir sie mit Rat und Tat unterstützen.“
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