01.04.09

Sarkome kennen keine Grenzen

Weichgewebetumore werden oft zu spät entdeckt. Den meisten Menschen ist gut bekannt, dass sich Krebserkrankungen als Karzinome in verschiedenen Organen wie der Brust, der Lunge oder dem Darm entwickeln können. Wenig bekannt dagegen sind die so genannten Sarkome.

Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Tumoren, die vom mesenchymalen Stützgewebe – also von Bindegewebe, Knochen-, Muskel-, Knorpeloder Fettgewebe – ausgehen.

Das Wort Lipo steht zum Beispiel für Fett. Ein Liposarkom ist damit ein bösartiger Tumor des Fettgewebes. Bei den Sarkomen werden zwei Hauptgruppen unterschieden, die Knochensarkome und die Weichgewebesarkome. Zusammen rechnet man mit etwa 5.000 bis 6.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Weichgewebesarkome treten – grob eingeteilt – zu rund 40 Prozent an den Beinen und Füßen, zu 15 Prozent an Hals und Nacken, zu 15 Prozent an den Armen sowie zu etwa 30 Prozent am Körperstamm oder im Brustkorb oder Bauchraum auf. „Wir sprechen deshalb bei den Sarkomen auch von Tumoren, die keine Grenzen kennen – also überall im Körper vorkommen können, sagt Markus Wartenberg, Sprecher der Patientenorganisation „Das Lebenshaus e. V.“ in Bad Nauheim.

An die Möglichkeiten eines Weichgewebetumors muss immer gedacht werden, wenn sich eine nicht schmerzhafte Schwellung zum Beispiel an den Extremitäten, am Gesäß oder in der Bauchregion entwickelt. Tritt eine solche Schwellung ohne erkennbaren Grund auf, muss mit der notwendigen Expertise unbedingt abgeklärt werden, ob ein Sarkom vorliegt und wenn ja welcher Subtyp.
„Dies geht aber oft nur in einem auf Sarkome spezialisierten Zentrum, wo im Idealfall dann auch die Behandlung erfolgt,“ erklärt Professor Dr. Peter Hohenberger, Leiter der Chirurgischen Onkologie an der Uniklinik Mannheim.

Üblicherweise wird der Tumor operativ im Gesunden entfernt. Geschieht dies früh genug, so besteht eine gute Heilungschance. „Leider haben aber etwa 25 Prozent der Patienten bei Erstdiagnose bereits Metastasen entwickelt“, bedauert der Sarkom-Experte. „Dann handelt es sich um eine fortgeschrittene Erkrankung – für die es je nach Sarkom-Subtyp spezielle Behandlungsmöglichkeiten gibt. Hierbei muss es darum gehen, die Erkrankung aufzuhalten und es dem Patienten zu ermöglichen, ein ‚normales Leben’ führen zu können.“

Inzwischen kennt man rund 140 Subtypen von gut- und bösartigen Sarkomen, wobei 30 bis 40 bösartige Subtypen häufiger auftreten und als lebensbedrohende Krebserkrankungen einzuordnen sind. „Sarkom ist deshalb noch lange nicht Sarkom“, betont Markus Wartenberg.

Deshalb ist es nach seinen Worten so wichtig, dass bei jedem Patienten die richtige Diagnose gestellt wird und die für die spezielle Situation am besten geeignete Therapieform gewählt wird. Das begründet auch die Forderung aller europaweit aktiven Sarkom-Patientenorganisation und europäischer Sarkom-Experten, Patienten mit entsprechender Verdachtsdiagnose unbedingt in spezialisierten Zentren zu behandeln.

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