Interview mit Eric Baumann: "Jeder Tag ist ein Geschenk für mich"

Er wurde mitten aus dem Leben heraus gerissen: Jung, am Anfang einer erfolgversprechenden Karriere stehend, gerade als Korrespondent für eine Schweizer Tageszeitung nach London umsiedelnd, ereilte Eric Baumann die Diagnose „Hirntumor“.
Herr Baumann, wie hat sich Ihr Leben nach der Diagnose "Hirntumor" verändert?
Die Diagnose selbst habe ich wie eine Art Schock erlebt. Ich habe mich nur sehr langsam an den Gedanken gewöhnt, dass tatsächlich in meinem Kopf eine Geschwulst sitzt und mein Leben bedroht. Die ersten beiden Jahre nach der Operation hat dann der Kampf gegen den Tumor mein Leben bestimmt. Es gab viele Arztbesuche und Therapiemaßnahmen verschiedenster Art, an strukturiertes Arbeiten war nicht zu denken. Aber ich habe rasch wieder damit begonnen, meine Freunde zu treffen und mein normales soziales Leben wieder aufzunehmen. Allerdings arbeite ich deutlich weniger als früher und lebe gesundheitsbewusster.
Wie hat Ihre Umwelt auf die Diagnose reagiert?
Ich habe nach der Diagnose sehr viel Zuspruch erfahren und starken Rückhalt bei meinen Freunden, bei meiner Familie und insbesondere bei meiner Lebenspartnerin. Die Reaktionen sind unterschiedlich: Es gibt manche Menschen die sagen: Komisch, Du hast Dich gar nicht verändert. Andere erleben mich offenbar völlig verändert. Ich selbst denke schon, dass ich mich und dass sich auch mein Leben verändert hat.
Gibt es eine Erklärung dafür, dass Sie bereits Jahre mit dem Tumor leben, obwohl doch die Prognose so begrenzt war?
Nein, weder die Ärzte, noch ich selbst haben eine Erklärung dafür. Es ist ein ungewöhnliches Phänomen, da das Glioblastom normalerweise sehr aggressiv wächst.
Hat sich Ihre Einstellung zum Leben geändert?
Ja. Es hört sich so abgedroschen an, aber es ist in der Tat so, dass ich mein Leben weit mehr als früher genießen kann. Ich weiß kleine Dinge viel mehr zu schätzen, sei es ein Sonnenstrahl, ein gutes Gespräch und sogar Momente, in denen man sich ärgert. Das tue ich weiterhin, nehme die vielen kleinen Alltagsprobleme aber nicht mehr so ernst wie früher. Ich kann sehr viel gelassener mit dem Leben umgehen, so dass es mir in vielen Bereichen besser geht als zuvor. Manchmal bin ich schon regelrecht ein wenig traurig, dass es diesen Anlass gebraucht hat, um das Leben so genießen zu können.
Heißt es, dass Sie Ihrer Erkrankung auch etwas Positives abgewinnen können?
Die Erkrankung und das Bewusstwerden der Endlichkeit unseres Lebens, ja mehr noch, die akute Bedrohung durch den Tod hat mir vor Augen geführt, wie schön das Leben ist und wie sehr ich doch daran hänge. Die Prioritäten haben sich verschoben und ich habe gelernt, dankbar zu sein für jeden Tag, den ich erleben kann.
Hoffen Sie auf die Zukunft?
Unbedingt. Ich bin mir der Gefahr bewusst, dass mein Leben jederzeit zu Ende sein kann. Aber das ist bei uns allen so. Und ich hoffe zutiefst, dass die Forschung rasch Fortschritte macht. Wer weiß schon, ob es nicht schon bald eine wirksame Therapie gegen den Tumor gibt? Ich habe gegen alle Prognosen länger als vierJahre gelebt und hoffe, dass das auch so weitergehen kann.
Herr Baumann, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.
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