Brigitte Drabinski, Hamburg: Lungenkrebs – das bedeutet besondere psychische Belastungen

Menschen mit Lungenkrebs haben meist nicht nur mit der Erkrankung und deren Therapie zu kämpfen. Denn der Lungenkrebs wird von Außenstehenden oft direkt mit dem Rauchen in Verbindung gebracht, ein Aspekt, der für die Erkrankten mit besonderen psychischen Belastungen verbunden ist. Wie schwerwiegend diese Problematik ist, berichtet Brigitte Drabinski in einem Interview. Frau Drabinski hat in Hamburg zwei Selbsthilfegruppen für Patienten mit Lungenkrebs ins Leben gerufen und ist selbst dreimal an einem Bronchialkarzinom erkrankt, erstmals bereits vor 14 Jahren.
Ist eine Lungenkrebserkrankung belastender als eine Krebsdiagnose bei anderen Organen?
Die „Diagnose Lungenkrebs“ ist auf zwei Ebenen für die Betroffenen sehr schwer zu bewältigen. Zum einen wird die Erkrankung in aller Regel erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, so dass die Heilungschancen nur sehr begrenzt sind. Wenn man die Diagnose hört, denkt man sofort, dass man bald sterben muss, obwohl inzwischen doch eine Vielzahl von Patienten die Erkrankung lange Zeit überlebt. Allerdings sind Lungenkrebspatienten auch dann besonderen Belastungen ausgesetzt, da die operative Tumorentfernung in der Lunge oft eine erhebliche Atemnot und Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit nach sich zieht. Hinzu kommt, dass beim Lungenkrebs fast immer eine Assoziation zum Rauchen gezogen wird. Viele Lungenkrebs-Patienten empfinden das als Diskriminierung.
Wie reagiert man auf solche Diskriminierungen?
Ich selbst versuche, sehr selbstbewusst damit umzugehen und antworte zum Beispiel bei der Frage, ob ich geraucht habe oftmals: Ich glaube nicht, dass Sie dies etwas angeht. Mein Gegenüber erkennt dann nicht selten, wie persönlich und unangebracht seine Frage nach dem Rauchen war und das Thema ist damit beendet. Viele Lungenkrebs-Patienten aber fühlen sich durch entsprechende Bemerkungen regelrecht stigmatisiert und ziehen sich weitgehend aus dem sozialen Leben zurück. Das ist nicht allein eine Reaktion auf die Frage, ob man geraucht hat. Vielmehr muss man sich als Lungenkrebs-Patient gelegentlich auch anhören, dass man die Erkrankung doch selbst verschuldet habe. Und es ist sogar zu hören und zu lesen, dass uns daher keine adäquate Therapie zustehe und die Krankenkassen nicht mit Kosten für unsere Behandlung belastet werden dürften. Solche Kommentare sind für uns alle schon schwer auszuhalten.
Wie eng ist tatsächlich der Zusammenhang zum Rauchen?
Es ist bekannt, dass eine Assoziation zum Rauchen besteht. Weniger gut bekannt aber ist, dass tatsächlich nur neun Prozent der rauchenden Frauen und sogar nur fünf Prozent der rauchenden Männer ein Bronchialkarzinom entwickeln. Es müssen somit zum Rauchen sicher noch andere Faktoren hinzukommen, damit sich im individuellen Fall ein Lungenkrebs ausbildet. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch, dass etwa 15 Prozent aller Lungenkrebs-Patienten nie geraucht haben.
Wie kann man Menschen mit Lungenkrebs besser helfen?
Es wäre gut, wenn mehr Betroffene bei den bereits vorhandenen Selbsthilfegruppen mitmachen oder sich selbst engagieren und eine Selbsthilfegruppe in ihrer Region gründen. Denn wie bei anderen Krebserkrankungen auch, ist es beim Lungenkrebs für die Krankheitsbewältigung sehr wichtig, über die täglichen Probleme, die Ängste und Nöte im Umgang mit dem Krebs und seiner Behandlung zu sprechen. Die besten Möglichkeiten gibt es, unabhängig von der Familie sowie dem Freundeskreis, bei Menschen, die das gleiche Schicksal tragen und damit den Betroffenen ein besonderes Verständnis für ihre Situation entgegen bringen. Sehr wichtig wäre es ferner, das Thema Lungenkrebs aus der Tabuzone heraus zu holen und in der Öffentlichkeit sachlicher als es bislang oftmals der Fall ist, über den Lungenkrebs zu informieren.
Frau Drabinski, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.
Zur Sache
Die „Selbsthilfegruppe Lungenkrebs Hamburg“ ist erreichbar über:
Brigitte Drabinski
Telefon: 040/2503955
E-Mail: info(at)shg-lungenkrebs.de
www.shg-lungenkrebs.de
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