Susanne Conrad: „Ich lebe heute bewusster“

Was es bedeutet, die Diagnose „Brustkrebs“ zu erhalten, weiß Susanne Conrad aus eigener Betroffenheit heraus. Die Fernsehmoderatorin engagiert sich öffentlich für Frauen mit Brustkrebs und moderiert regelmäßig die Informationsveranstaltungen der Kampagne „Durch die Brust ins Herz – Herausforderung Brustkrebs“der Veranstaltungsreihe „Deutsche Städte gegen Brustkrebs“. Im Interview erläutert Frau Conrad, wie sie ihre eigene Erkrankung gemeistert hat.
Frau Conrad, warum machen Sie sich für mehr Wissen in Sachen Brustkrebs stark?
Wenn man mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert wird, ist von einem Moment auf den nächsten plötzlich nichts mehr wie es vorher war. Man wird erfasst von einem Gefühl der Angst und Hilflosigkeit und unendlich viele Fragen stürmen auf einen ein: Wie konnte der Brustkrebs in meinem Körper entstehen? Bin ich womöglich selbst schuld daran, dass ich krank geworden bin? Was kann ich jetzt tun? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und welche Therapie ist die richtige für mich? Wie wird es weitergehen? Die Kampagne „Durch die Brust ins Herz – Herausforderung Brustkrebs“ gibt Antworten auf all diese Fragen, sie bietet Aufklärung und Information und damit ein besonders wirksames Mittel gegen die Ohnmacht und die Angst: Wissen. Denn wenn ich verstehe, was in und mit meinem Körper passiert, wenn ich kompetenten Rat erhalte und weiß, welche Hilfsangebote es gibt, dann ist vieles leichter.
Hat sich Ihr Leben durch den Brustkrebs verändert?
Als ich vor sechs Jahren an Brustkrebs erkrankt bin, wurde quasi mein ganzes Leben und natürlich auch das meiner Familie völlig aus den Angeln gehoben. Wir lebten plötzlich in einem permanenten Ausnahmezustand. Eine Zeit lang wagten wir gar nicht, in die Zukunft zu denken, denn wir wussten ja nicht, ob es eine Zukunft ohne mich sein würde. Trotz aller Verzweiflung und Angst haben wir versucht, so viel Normalität wie möglich in unser Leben zu holen. Damals habe ich die Krankheit als eine Katastrophe erlebt. Im Rückblick sehe ich, dass sie auch eine Herausforderung war, an der ich gewachsen bin und die wir auch als Familie wirklich gut gemeistert haben. Ich will nichts schönreden, aber ich habe gelernt, Prioritäten anders zu setzen. Ich lebe bewusster und sogar meine Kinder finden, dass ich gelassener bin als früher.
Wie haben Sie die Kommunikation mit Ihren Ärzten erlebt?
Als der Röntgenarzt mir mitteilte: „Das sieht nicht gut aus – es tut mir leid, aber das ist ein Mammakarzinom“, fühlte ich mich plötzlich wie hinter einer dicken Wand aus Glas, als hätte ich den Kontakt zum Rest der Welt irgendwie verloren. Alles, was der Arzt danach noch sagte, drang gar nicht mehr richtig zu mir durch. Ähnlich ging es mir später, als ich in der Klinik über Chemo- und Strahlentherapie aufgeklärt wurde. Die Hälfte habe ich gar nicht mitbekommen – alles scheint so schicksalhaft in diesen Augenblicken, so viel stürzt da auf einen ein, dass man einfach überfordert ist und die vielen wichtigen Informationen gar nicht alle aufnehmen kann. Wichtige Fragen habe ich gar nicht gestellt – die kamen mir erst hinterher. Danach habe ich solche Arzt-Gespräche immer intensiv vorbereitet, habe mich vorab informiert, viel gelesen und mir alles aufgeschrieben, was ich wissen wollte. Außerdem habe ich immer meinen Mann oder eine Freundin mitgenommen – ein zusätzlicher Zuhörer und Frager entlastet einen, und außerdem ist es auch einfach gut, jemanden zum Anlehnen bei sich zu haben.
Wie sind Sie mit dem Thema Brustkrebs innerhalb Ihrer Familie und bei Freunden und Bekannten umgegangen?
Ich bin jemand, der immer über alles reden muss. Das war auch bei meiner Brustkrebserkrankung so. Mit meinem Mann habe ich offen über alles gesprochen – bei meinen Kindern war ich vorsichtiger. Aber auch ihnen habe ich – ihrem Alter entsprechend – erklärt, was mit mir los ist, warum ich operiert werden muss, was die Chemo an Nebenwirkungen mit sich bringt, usw. Das war für die drei ganz wichtig, denn natürlich haben sie gespürt, dass etwas nicht stimmt und in ihrer Phantasie hätten sie sich womöglich Dinge und Erklärungen ausgemalt, die viel schlimmer gewesen wären als die Wahrheit.
Gibt es konkrete Bewältigungsstrategien, die Sie erkrankten Frauen an die Hand geben können?
Wichtig finde ich, dass man sich nicht abkapselt, sondern versucht, ein einigermaßen „normales“ Leben zu führen. Dazu gehört der Kontakt mit anderen Menschen, auch außerhalb der Familie, und kleinere Unternehmungen: Mit einer Freundin Kaffee trinken zum Beispiel, oder abends mal weg gehen, ins Kino vielleicht. Natürlich gibt es Tage, an denen man völlig durchhängt, an denen einen die Angst überwältigt, aber man sollte sich nicht ganz in dieses dunkle Loch fallen lassen. Ich habe versucht, zuversichtlich und kämpferisch zu denken und mir immer wieder zu sagen, dass es eine Zukunft für mich gibt. Wenn man allein die Kraft dazu nicht hat, finde ich es völlig in Ordnung, ja sogar notwendig, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Frau Conrad, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!
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