Bei der CLL gilt oft zuerst das Motto „Abwarten“ - Antikörper haben die Therapie bei Lymphomen spürbar verbessert

Stephan B. ist 53 Jahre alt. Bei der alljährlichen Check-up-Untersuchung fallen im Blutbild ungewöhnlich viele weiße Blutzellen – der Mediziner spricht üblicherweise von Leukozyten – auf, wobei vor allem die Untergruppe der Lymphozyten vermehrt ist. Der Hausarzt rät dem technischen Zeichner zu einer Wiederholung der Untersuchung, wobei sich der Befund jedoch bestätigt. Die Konsultation eines Hämatologen, also eines Fachmediziners für Erkrankungen des Blutes, ergibt die Diagnose „Chronisch Lymphatische Leukämie“, oder auch kurz CLL, wie die Mediziner sagen.
Dem ersten Schock der Diagnose folgt eine gewisse Erleichterung. Denn Stephan B. erfährt von seinem Arzt, dass es sich bei der CLL in aller Regel um eine langsam fortschreitende Erkrankung handelt und nicht sofort eine Behandlung notwendig ist. Ein gezieltes Eingreifen ist erst ratsam, wenn die Lymphozyten sich auffallend rasch vermehren, wenn vergrößerte Lymphknoten auffallen, der Patient Beschwerden wie zum Beispiel Nachtschweiß, eine ungewollte Gewichtsabnahme und Fieber entwickelt oder wenn im Blutbild erkennbar ist, dass sich die Krankheit fortentwickelt.
„Ist das nicht der Fall, so warten wir üblicherweise zunächst einmal ab“, erklärt Professor Dr. Kai Uwe Chow vom Ambulanten Krebszentrum Schaubstraße in Frankfurt. Während übrigens zur Diagnose eine Biopsie des Knochenmarks nicht notwendig ist, sollte diese dann durchgeführt werden, wenn eine Therapie eingeleitet werden soll.
Soweit ist es bei Stephan B. allerdings noch nicht. Für ihn aber ist es, wie für viele andere Betroffene auch, zunächst schwer zu verstehen, warum einerseits eine Leukämie diagnostiziert, andererseits aber nicht sofort eine Behandlung gegen die Erkrankung eingeleitet wird. „Die Therapie ist aber erst sinnvoll, wenn sich ein Fortschreiten der Erkrankung zeigt“, so Professor Chow.
Dann gibt es zudem gute Chancen, die CLL wieder zurückdrängen zu können. Ganz allgemein haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei den Lymphomen – und dazu gehört die CLL – in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Wo früher wenig Hoffnung für die Patienten bestand, ist heutzutage eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit ohne jegliche Krankheitszeichen möglich und es kann sogar häufig eine Heilung erwirkt
werden.
Zum Beispiel hat der Antikörper Rituximab, der in Kombination mit einer Chemotherapie gegeben wird, die Heilungschancen von Patienten mit aggressivem Non-Hodgkin-Lymphom erheblich verbessert.
Außerdem leben immer mehr Patienten mit follikulärem Lymphom durch Rituximab erheblich länger mit der Erkrankung.
Bei der CLL ist eine definitive Heilung bislang leider meist nicht möglich, allerdings verlängert der Antikörper ebenfalls die Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung sowie – für den Patienten vielleicht noch entscheidender – die Überlebenszeit. In sehr vielen Fällen kann durch die Behandlung dabei das Krankheitsbild sogar soweit zurück gedrängt werden, dass der Patient keine Beschwerden mehr hat und wieder ein normales Blutbild bekommt. „Wir sprechen dann von einer Remission“, so Professor Chow. Seine Erklärungen haben Stephan B. beruhigt. Er hofft auf eine lange Zeit ohne Behandlung und anschließend im Fall des Falles auf eine volle und anhaltende Remission.
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