16.08.10

„Eigentlich fühle ich mich gesund“ - Eine Patientin mit Lungenkrebs berichtet

Elke E. sieht trotz ihrer schweren Erkrankung aus wie das blühende Leben. Sie fühlt sich auch so: „Ich bin derzeit sehr belastbar, treibe Sport und arbeite auch wieder“, sagt die 54-jährige Lehrerin.

Sie hätte sich dies vor drei Jahren nicht vorstellen können, als ihr Arzt ihr die Diagnose „fortgeschrittener Lungenkrebs“ mitteilte. „Es war, als würde der Boden unter mir wegbrechen und ich habe spontan gedacht, nun sterben zu müssen“, erzählt die Frau. Von ihrer Erkrankung hatte sie bis dato nichts bemerkt. Zwar fühlte sie sich in den Sommerferien beim Bergwandern etwas schlapper als sonst, schob dies aber auf die Höhenluft und auf ihren hohen Blutdruck. Als sie wenig später auch mit Übelkeit und Appetitlosigkeit zu kämpfen hatte, suchte sie ihren Arzt auf und nach einigen Untersuchungen stand die Diagnose fest. „Das Röntgenbild zeigt einen bereits relativ ausgedehnten Tumor“, berichtet der behandelnde Arzt Dr. Martin Reck aus Großhansdorf.

 

Da die gesamte Lunge betroffen war, kamen Operation und Bestrahlung nicht mehr in Frage. Elke E. erhielt eine Chemotherapie sowie einen neuen Wirkstoff, der im Rahmen einer klinischen Studie erprobt wurde. Sie sprach auf die Behandlung gut an: „Schon nach der zweiten Chemotherapie konnte ich wieder besser atmen und habe dann erst gemerkt, wie eingeschränkt ich vorher war“, erzählt sie.

Der Zustand aber hielt nicht lange an, ein paar Monate später fing der Tumor erneut an zu wachsen. Es wurde eine sogenannte Zweitlinienbehandlung mit Erlotinib begonnen, einem Wirkstoff, der als Tablette eingenommen wird und zu den so genannten zielgerichteten Therapien gehört. „Das Medikament stoppt Wachstumssignale, die von außen in die Zelle hineingeleitet werden und praktisch wie ein Gaspedal auf den Tumor wirken“, erklärt Dr. Reck. Wird die Weiterleitung der Signale unterbrochen, wie es durch Erlotinib geschieht, so stoppt das Zellwachstum – der Tumor wächst nicht mehr weiter oder wird sogar kleiner. Elke E. sprach wiederum gut an: Bereits nach einem Monat hatte sich der Tumor um die Hälfte zurückgebildet.

Die 54-jährige muss das Medikament allerdings jeden Tag einnehmen, damit das Tumorwachstum kontrolliert und zurückgedrängt bleibt. „Unser Ziel ist es, die Krebserkrankung mit solchen Strategien zu einer chronischen Erkrankung werden zu lassen“, erklärt Dr. Reck. Die Situation ist nach seinen Worten vergleichbar derjenigen einer HIV-Infektion, die dank moderner Medikamente zwar nicht geheilt werden, aber doch in eine andauernde, gut erträgliche Erkrankung umgewandelt werden kann.

Die ersten Monate mit dem neuen Medikament waren laut Frau E. nicht einfach, weil sie erheblich unter Hautausschlag, einer gut bekannten Begleitreaktion des Medikamentes, zu leiden hatte. Der Hautausschlag hat sich im weiteren Verlauf zurückgebildet und beeinträchtigt die Lehrerin kaum mehr: „Ich habe ein Jahr gebraucht, um den Schock der Diagnose zu verarbeiten. Inzwischen ist mir klar, dass jedes Leben endlich ist. Dieses Wissen bewirkt, dass ich damit anders umgehe. Ich erlebe jetzt jeden Tag sehr bewusst und kann das Leben ganz anders genießen“.            

 

 

 

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