Nierenkrebs ist nicht gleich Nierenkrebs - Mehr Krankheitsfälle, aber auch bessere Behandlungschancen


Der Nierenkrebs gehört zu den Tumorformen, die derzeit stark im Fokus der Krebsforschung stehen. Mit ein Grund hierfür ist, dass Nierenkrebs keinesfalls gleich Nierenkrebs ist. Vielmehr gibt es ganz unterschiedliche Krankheitsformen, je nachdem, aus welchem Gewebe sich der Krebs in der Niere entwickelt. Das hat Folgen für die Behandlung, die dem individuellen Tumor genau angepasst werden muss, hieß es beim 4. Nierenkrebs-Forum, das die Patientenorganisation „Das Lebenshaus“ in Frankfurt organisiert hatte und bei dem namhafte Krebsmediziner zum Thema Nierenkrebs informierten.
Der Nierenkrebs – das Nierenzellkarzinom, wie der Mediziner sagt – hat in gewisser Weise Modellcharakter für die Krebsforscher. Sie hoffen, durch ein besseres Verständnis der Zusammenhänge die neue Strategie der „Targeted Therapy“, also der zielgerichteten, sich an der individuellen Situation orientierenden Krebsbehandlung weiter voranzubringen. Davon können die aktuell erkrankten Patienten profitieren und möglicherweise auch künftige, zum Teil an ganz anderen Tumoren erkrankten Krebspatienten. Schon heutzutage spielt die „Targeted Therapy“ beim Nierenkrebs eine zentrale Rolle, wie Dr. Viktor Grünwald von der Medizinischen Hochschule Hannover in Frankfurt darlegte. Wirkstoffe, die gezielt Wachstumssignale, die auf die Tumorzellen wirken, unterbinden und die die Gefäßneubildung und damit das Krebswachstum hemmen, sind aus der Behandlung des Nierenzellkarzinoms schon nicht mehr wegzudenken. „Sie sind das Rückgrat bei der Behandlung des Nierenzellkarzinoms“, sagte Dr. Grünwald in Frankfurt.
Das ändert nach seinen Aussagen nichts daran, dass zunächst immer versucht werden muss, den Tumor möglichst vollständig operativ zu entfernen. „Wenn dies nicht möglich ist, wenn der Tumor bereits gestreut hat oder wenn er trotz Operation weiter-wächst, ist unbedingt eine zielgerichtete Therapie angezeigt“, betonte der Mediziner.
Zwar lässt sich zum Beispiel durch die Hemmung der Gefäßneubildung der Nierenkrebs nicht heilen, wohl aber die Krankheit stabilisieren. „Wir können so das weitere Fortschreiten aufhalten“, erläuterte Privatdozent Dr. Michael Staehler von der Urologischen Klinik der Universität München bei der Tagung, zu der knapp 120 Patienten und Angehörige nach Frankfurt gekommen waren. Die krankheitsfreie Zeit der Patienten und auch die allgemeine Lebenserwartung verlängern sich dadurch erheblich und der Nierenkrebs ist laut Dr. Staehler auf dem besten Weg, quasi zu einer chronischen Erkrankung zu werden. Für die „Targeted Therapy“ spricht dabei auch die Tatsache, dass die eingesetzten Wirkstoffe in aller Regel weit besser verträglich sind als die klassische Chemotherapie.
Am Nierenzellkarzinom erkranken jährlich in Deutschland rund 10.750 Männer und 6.650 Frauen. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt dabei stetig, wobei die Gründe hierfür nicht genau bekannt sind. Die Erkrankung basiert im Wesentlichen auf Veränderungen in der Erbsubstanz, erläuterte Professor Dr. Stephan Störkel aus Wuppertal beim 4. Nierenkrebs-Forum. Dabei können unterschiedliche Gene betroffen sein, sowohl so genannte Onkogene, aber auch Tumorsuppressorgene, die normalerweise eine Krebsentstehung unterdrücken, oder Reparaturgene, die Schädigungen der Zellen rückgängig machen. Diese Veränderungen können laut Professor Störkel spontan auftreten und durch äußere Faktoren, wie etwa krebserregende Substanzen, provoziert werden.
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