15.04.2011

Auch bei Leukämie und Lymphom gilt: Mut zur Bewegung - Wieder Muskulatur aufbauen

Noch vor wenigen Jahren wurde Patienten mit Leukämie oder Lymphom eher von sportlicher Aktivität ab- als zugeraten. Das hat sich inzwischen geändert: „Wir wissen, dass auch Patienten mit solchen systemischen Erkrankungen eindeutig von einer Bewegungstherapie und allgemein von sportlicher Betätigung profitieren“, sagt Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

So kann durch ein gezieltes Bewegungstraining Erkrankungen durch Bewegungsmangel vorgebeugt werden. Außerdem können die oft bei diesen Erkrankungen auftretenden Erschöpfungszustände gemildert werden. „Die sportliche Betätigung fördert außerdem den allgemeinen Muskelaufbau, verstärkt die Immunfunktion und verbessert die Lungenfunktion“, erklärt Sporttherapeut Baumann.

Schon in der Akutphase der Erkrankung sollte unter Anleitung eines Bewegungstherapeuten mit Übungen zum Muskelaufbau begonnen werden. Während der Rehabilitation soll dann versucht werden, die komplette Muskulatur mit einem leichten Krafttraining wieder aufzubauen, da es kaum Patienten gibt, bei denen es durch die Behandlung nicht zu einem Muskelabbau gekommen ist. „Vordringlich ist dabei das Training der Rücken- und Beinmuskulatur, um die Mobilität zu erhalten oder wiederherzustellen“, rät Baumann.

Er empfiehlt Menschen mit Leukämie oder Lymphom zu Gruppensportarten, da sie durch die wochenlang therapiebedingte Isolation oft sehr belastet sind. Baumann: „Der Gruppensport fördert die sozialen Interaktionen und tut auch auf dieser Ebene den Patienten gut. Das stärkt das oft durch die Erkrankung angeschlagene Selbstvertrauen“.

Als zentrales Element sollte die Bewegungstherapie bei Lymphom- und Leukämiepatienten außerdem Ausdauersport beinhalten. Empfehlenswert sind Walking und Nordic Walking sowie Radfahren, und das gegebenenfalls auf einem Standfahrrad, damit die Patienten sicheren Halt haben.

Sinnvoll sind ferner allgemeine Kräftigungsübungen, die zunächst nicht bei voller Kraft, sondern erst einmal mit rund 70 Prozent der möglichen Belastungsstufen durchgeführt werden sollten. Dabei müssen die Patienten laut Baumann auf eine gleichmäßige Atmung achten. Dann sollte die Belastung langsam gesteigert werden. Als ratsam erachtet er ferner ein gezieltes Koordinationstraining mit Schulung   der Körperhaltung.Da die Patienten meist zunächst noch ein geschwächtes Immunsystem aufweisen, sind Besuche in Schwimmbad und Sauna nicht anzuraten. Erst wenn die körpereigene Abwehrkraft voll wiederhergestellt ist, können die Patienten problemlos zum Schwimmen gehen. Diese Sportart ist dann zur Stärkung des Herz-Kreislaufsystems sehr geeignet.

Weiterführende Informationen – selbstverständlich auch zu Empfehlungen für Patienten mit anderen Tumorformen – finden Interessierte auf der Internetseite www.freerk-baumann.de. Dort gibt es auch Hinweise zu Broschüren und Büchern zum Thema „Sport und Bewegung bei Krebs“.