10.06.2014

Selbsthilfe Lungenkrebs: „Wir wollen mit einer Stimme sprechen“

Barbara Baysal

Barbara Baysal

Gründungsmitglieder des „Bundesverbandes Selbsthilfe Lungenkrebs e.V.“

Gründungsmitglieder des „Bundesverbandes Selbsthilfe Lungenkrebs e.V.“

Ende des vergangenen Jahres haben sich 40 Selbsthilfegruppen zum „Bundesverband Selbsthilfe Lungenkrebs e.V.“ zusammengeschlossen. Welche Vorteile ein solches Netzwerk der Selbsthilfe Menschen mit Lungenkrebs bietet, erläutert Barbara Baysal aus Berlin im Interview. Frau Baysal ist selbst Betroffene, leitet in Berlin den Verein „Selbsthilfe Lungenkrebs“ und bildet zusammen mit Angelika Dahmann und Michael Ehmann den Vorstand des neu gegründeten Bundesverbandes.

Frau Baysal, was soll der Zusammenschluss der Selbsthilfegruppen als Bundesverband bewirken?

Derzeit gibt es rund 40 Selbsthilfegruppen im Bereich Lungenkrebs, in denen sich jeweils vier bis 25 Mitglieder aktiv engagieren. Wir wollen bewusst die Kräfte der einzelnen Gruppen in einem Bundesverband bündeln, um eine starke Stimme zu bekommen, die entsprechend gehört wird. Denn die einzelnen Gruppen finden zwangsläufig weniger Gehör als ein Bundesverband. Davon abgesehen suchen wir aktiv auch weiter nach Möglichkeiten, zusätzliche Selbsthilfegruppen zum Lungenkrebs zu etablieren, um insgesamt die Selbsthilfe in diesem Bereich weiter zu stärken.

Warum ist das so wichtig?

Es ist generell für Menschen mit Krebs wichtig zu erfahren, dass sie nicht mit ihrer Erkrankung alleine stehen. In den Selbsthilfegruppen finden sich zudem Mitmenschen, die sehr genau wissen, was es bedeutet, krebskrank zu sein, die die damit verbundenen Sorgen und Ängste kennen und mit denen man sich als Betroffener austauschen kann. Zu sehen, wie andere mit der Erkrankung leben, hilft oft einem selbst bei der Krankheitsbewältigung.

Ist es nicht auch nachteilig, wenn sich immer wieder alles um die Krankheit dreht?

Das ist in den Selbsthilfegruppen keineswegs der Fall. Es ist in der Tat so, dass es Menschen gibt, die nicht über ihre Erkrankung sprechen wollen. Wenn sie das nicht möchten, brauchen sie es in den Gruppen auch nicht zu tun. Oft aber erleben wir es, dass eine solche Haltung nur anfänglich besteht und die Teilnehmer dann jedoch sehr froh sind, in einer Gruppe von ebenfalls Betroffenen Informationen und Erfahrungen austauschen zu können. Das ist sehr wichtig, um auch wieder ein Stück weit Normalität ins Leben zu bringen.

In den Gruppen erfahren die Teilnehmer zudem, dass man mit der Erkrankung durchaus leben kann und dass nicht wenige Betroffene heutzutage recht lange mit Lungenkrebs leben und das mit guter Lebensqualität. Denn wir unterhalten uns ja nicht ausschließlich über die Erkrankung, sondern auch über das normale Leben, über Hobbys und zum Beispiel über Reisen. Auch der Austausch über solche Themen ist für viele Betroffene enorm wichtig und zeigt ihnen, dass das Leben weitergeht und dass man sein Leben trotz Krebs genießen kann und sich nicht von der Krankheit beherrschen lassen sollte.

Wie kann der neue Bundesverband dazu beitragen, dass sich die Situation von Lungenkrebspatienten insgesamt verbessert?

Wir erhoffen uns von der höheren Vernetzung der einzelnen Gruppen, krankheitsbezogene Informationen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die einzelnen Regionen tragen zu können, so dass die Patienten und Patientinnen zeitnah von den Fortschritten profitieren können. Zudem sollen mit Kongressen, Seminaren, Arbeitskreisen und Veröffentlichungen, die wir initiieren und/oder mittragen wollen, Informationen auch an weitere Multiplikatoren im gesundheits- und sozialpolitischen Bereich herangetragen werden. Wir versprechen uns ferner von der Stärkung der Selbsthilfe, die betroffenen Familien ihrerseits besser unterstützen und auch ihre Interessen nach außen besser vertreten zu können.

Frau Baysal, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.  

Wer sich im Bereich der Lungenkrebs-Selbsthilfe engagieren und vielleicht sogar eine Selbsthilfegruppe gründen möchte, kann sich dazu an den Bundesverband Selbsthilfe Lungenkrebs e.V., Barbara Baysal, Rotenkruger Weg 78, 12305 Berlin, wenden oder per Email an die Anschrift bundesverband.lk(at)gmail.com.