20.12.2016

Die Grippe ernst nehmen

Risiken durch Infektionen nicht unterschätzen

Der immungeschwächte Körper von Krebspatienten ist besonders anfällig für Infektionskrankheiten wie zum Beispiel eine Grippe. Vor allem bei einer verspätet gestellten Diagnose und zusätzlichen Infektionen mit Bakterien und Pilzen droht Gefahr. Dies ergab eine Auswertung von Patientendaten, die bei der Jahrestagung der deutschsprachigen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) in Leipzig vorgestellt wurde. 

Mit dem Begriff der Grippe ist nicht eine übliche Erkältung gemeint, sondern eine „echte Grippe“. Darunter verstehen die Mediziner eine Infektion mit sogenannten Influenzaviren. Sie geht mit Fieber und einem massiven Krankheitsgefühl einher, verläuft sehr viel schwerer als eine Erkältung und kann bei einem geschwächten Organismus sogar Lebensgefahr bedeuten.

Besonders für Krebspatienten ist eine schwere Grippewelle daher mit besonderen Risiken verbunden. „Das ist aber vielen Menschen nicht bekannt“, erläuterte Frau Professor Dr. Marie von Lilienfeld-Toal, Universitätsklinikum Jena und Wissenschaftlerin am InfectoGnostics Forschungscampus Jena. Gemeinsam mit weiteren Medizinern aus ganz Deutschland hat Professor von Lilienfeld-Toal die Auswirkung der letzten großen Grippewelle untersucht: „Wir wollten mit unserer Studie herausfinden, welche Patienten ein besonders hohes Risiko für einen lebensgefährlichen Verlauf der Grippe haben“, berichtete die Wissenschaftlerin. Dazu wurden die Daten von 203 Tumorpatienten aus bundesweit acht Universitätskliniken analysiert.

Das Ergebnis: Eine schwere Lungenentzündung und damit Lebensgefahr droht vor allem, wenn die Virusinfektion zu spät erkannt wird und zusätzliche Infektionen mit Bakterien und Pilzen – sogenannte Superinfektionen – vorliegen. Die Art des Tumors ist bei Krebspatienten hingegen nicht entscheidend. „Wir konnten mit dieser Kohorten-Studie zeigen, dass eine frühe Diagnose und die effektive Behandlung von Superinfektionen lebensrettend für Krebspatienten mit Influenza sein können“, so Lilienfeld-Toal.

Schutz vor Infektionen

Das Risiko einer Infektion mit Erkältungs- oder den gefürchteten Grippeviren lässt sich durch einfache Maßnahmen deutlich reduzieren. Dazu sollten vor allen in Zeiten der Erkältungs- und Grippewellen folgende Grundregeln beherzigt werden: 

  • Chancen der Impfung, insbesondere der Grippeschutzimpfung, nutzen
  • Bei Erkältungswellen größere Menschenansammlungen meiden
  • Dann auch auf Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln verzichten
  • Engen Kontakt zu erkälteten Personen vermeiden
  • Im Krankheitsfall auch auf das Händeschütteln verzichten
  • Regelmäßig gründlich die Hände waschen, ganz besonders nach dem Kontakt mit infizierten Personen
  • Die Hände nach dem Kontakt mit erkrankten Personen 30 Sekunden gründlich mit Seife einschäumen, abwaschen und gut abtrocknen
  • Auf eine an die Witterung angepasste Kleidung achten.

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