14.06.2016

Unbedingt die Chancen der Rehabilitation nutzen

Ulrich Hartschuh

Ulrich Hartschuh

Ziel der Reha ist es, den Gesundheitszustand wieder nachhaltig zu verbessern

Ziel der Reha ist es, den Gesundheitszustand wieder nachhaltig zu verbessern

Interview mit Ulrich Hartschuh, Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg

Noch längst nicht alle Anspruchsberechtigten nutzen die Chancen der Rehabilitation (Reha). Warum die Reha-Maßnahmen für Tumorpatienten wichtig sind und welche Ziele dabei verfolgt werden, erläuterte Ulrich Hartschuh von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg in einem Interview.

Herr Hartschuh, wann haben Krebspatienten Anspruch auf eine Reha-Maßnahme über die Rentenversicherung?

Patienten, die berufstätig und durch die Krebserkrankung in ihrer Leistungsfähigkeit im Hinblick auf ihr Berufsleben beeinträchtigt sind und die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllen, haben Anspruch auf eine Reha-Maßnahme über die Rentenversicherung. Wir dürfen darüber hinaus auch Patienten, die bereits berentet sind, Reha-Maßnahmen bewilligen, wenn zu erwarten ist, dass sich dadurch der allgemeine Gesundheitszustand bessern wird. Der Versicherte kann hinsichtlich der Leistungsträger in einem solchen Fall zwischen der Krankenkasse und der Rentenversicherung wählen. Davon abgesehen sind auch bei Kindern Reha-Maßnahmen über die Rentenversicherung möglich.

Welche Ziele werden mit der Reha-Maßnahme verfolgt?

Es geht vor allem darum, durch die Rehabilitation die Erwerbsfähigkeit zu erhalten. Mit anderen Worten: Der Gesundheitszustand des betreffenden Patienten soll möglichst soweit verbessert werden, dass dieser wieder seinem Beruf nachgehen kann. Je jünger die Patienten sind, umso wichtiger ist dieses Ziel. Denn wenn man nicht mehr berufstätig sein kann, drohen Arbeitslosigkeit und erhebliche wirtschaftliche Einbußen. Das setzt sich bis ins Rentenalter fort, da keine Beiträge zur Rentenversicherung mehr entrichtet werden. Bei der Rehabilitation von krebskranken Kindern steht allerdings mehr der allgemeine Gesundheitszustand im Vordergrund.

Was genau geschieht während der Reha?

Anders als in der Akut-Klinik geht es nicht um eine medizinische Behandlung der Grunderkrankung. Die Patienten werden vielmehr in ihrer Leistungsfähigkeit so geschult und trainiert, dass sie trotz ihrer chronischen Erkrankung – möglicherweise auch unter Inkaufnahme von Einschränkungen – wieder ihrer Berufstätigkeit nachgehen können. Dazu gehört in aller Regel auch eine Lebensstilberatung, um die gesundheitliche Situation zu bessern und/oder zu stabilisieren.

Werden die Chancen der Rehabilitation genutzt?

Nur etwa drei Prozent unserer Versicherten nehmen eine Reha-Maßnahme in Anspruch. Das ist vergleichsweise wenig und es ist davon auszugehen, dass auch viele Krebspatienten die Chancen, die sich ihnen durch die Reha-Maßnahme bieten, nicht nutzen. Tatsächlich sehen wir im Moment Veränderungen bei der Inanspruchnahme der Maßnahmen mit einem Rückgang älterer Menschen, die eine Reha beantragen und einer deutlichen Zunahme jüngerer Personen, die einen Antrag stellen.

An wen sollten sich Krebspatienten wenden, wenn sie eine Reha-Maßnahme beantragen wollen?

Üblicherweise läuft das über den Sozialdienst im Krankenhaus, in dem die Patienten betreut werden. Patienten, die ambulant behandelt werden, sollten sich am besten mit ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen oder direkt mit der Deutschen Rentenversicherung, die ein dichtes Netz an Beratungsstellen in Deutschland unterhält.

Herr Hartschuh, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Zur Sache:

Zu erreichen ist die Deutsche Rentenversicherung über eine der lokalen Beratungsstellen.
Allgemeine Informationen sowie die Anschrift der nächstliegenden Beratungsstelle und auch einer kostenlosen regionalen Servicetelefonnummer gibt es im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de