22.04.2010

Einstieg in die personalisierte Krebsmedizin - Länger leben mit chronisch lymphatischer Leukämie

Bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) gibt es Fortschritte gleich auf zwei Ebenen: Die aktualisierten Daten der so genannten CLL8-Studie zeigen eindeutige Überlebensvorteile bei Patienten, die bei der Erstbehandlung neben der Chemotherapie auch den Antikörper Rituximab erhalten haben. In der Studie wurde außerdem gesehen, dass Patienten mit speziellen genetischen Veränderungen besonders gut auf die Therapie mit dem Antikörper reagieren. Dieser Befund ist bedeutsam, weil er den Medizinern die Möglichkeit gibt, mit einiger Sicherheit vorherzusagen, welcher CLL-Patient von der Behandlung mit dem Antikörper profitieren wird und welcher nicht. „Damit stoßen wir die Tür auf zur personalisierten Krebsbehandlung“, erklärte Studienleiter Professor Dr. Michael Hallek aus Köln bei der Vorstellung der neuen Daten beim weltgrößten Kongress zur Hämatologie, dem ASH (American Society of Hematologie), in New Orleans.

Bereits in einer früheren Auswertung der CLL8-Studie war gesehen worden, dass überdurchschnittlich viele Patienten lange tumorfrei bleiben, wenn sie bei Behandlungsbeginn neben den Zytostatika auch Rituximab erhalten. Nun ist klar, dass die Erkrankten nicht nur länger tumorfrei bleiben, sondern auch insgesamt deutlich länger mit der Erkrankung überleben. „Wir haben damit erstmals zeigen können, dass die Wahl der Medikamente bei der Erstbehandlung entscheidenden Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf nimmt“, sagte Professor Hallek.

In der CLL8-Studie, der weltweit größten Studie zur Ersttherapie der CLL, waren 817 Patienten mit der üblichen Chemotherapie oder zusätzlich mit Rituximab behandelt worden. Die Gabe des Antikörpers führte dazu, dass 44,1 Prozent der Patienten und damit fast doppelt so viele wie bei der traditionellen Behandlung eine so genannte komplette Remission, also ein völliges Zurückgehen der Krankheitszeichen, erreichten. Eine solche Reaktion aber ging mit deutlich besseren Überlebenszeiten einher.

Das hatte sich, so Hallek, bereits anhand der Beobachtungen im Klinikalltag abgezeichnet: „Wir haben viele Patienten gesehen, die durch die Kombination der üblichen Chemotherapie mit dem Antikörper für Jahre ohne Krankheitszeichen geblieben sind.“ Das nährt nach den Worten des Mediziners Hoffnungen, bei vielen Patienten noch längere Überlebenszeiten bei der CLL und möglicherweise sogar eines Tages echte Heilungserfolge erzielen zu können.