02.03.2015

Behandlung von Lymphomen: Heilung als Perspektive

Bei den malignen Lymphomen hoffen die Krebsmediziner für die Zukunft auf Heilungserfolge.

Bei den malignen Lymphomen hoffen die Krebsmediziner für die Zukunft auf Heilungserfolge.

Dr. Valentin Goede

Dr. Valentin Goede

Interview mit Dr. Valentin Goede, Köln

Die Behandlungskonzepte bei Patienten mit einem Lymphom haben sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Dieser Trend dürfte sich künftig noch fortsetzen. Denn die bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems gehören zu den Bereichen in der Krebsmedizin, in denen derzeit große Fortschritte gemacht werden. Das gilt insbesondere für die sogenannte chronische lymphatische Leukämie, kurz CLL. Was bereits erreicht wurde und was in absehbarer Zukunft zu erwarten ist, erläutert Dr. Valentin Goede von der Deutschen CLL-Studiengruppe an der Klinik I für Innere Medizin des Universitätsklinikums Köln.

Herr Dr. Goede, welche Fortschritte hat es bei der CLL gegeben?

Die Behandlung bösartiger Lymphome und speziell der CLL hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Das ist vor allem der Einführung der therapeutischen Antikörper zu verdanken. Sie haben die Therapiechancen für die Patienten nachhaltig verbessert und die Kombination von Chemotherapie und Antikörpertherapie, also die Immun-Chemotherapie, ist inzwischen Standard bei der CLL. Mit der Behandlung kann die Erkrankung bei der Mehrzahl der Patienten zurückgedrängt werden, so dass die Betroffenen keinerlei Symptome mehr haben. Leider wird die CLL so nicht geheilt und es kann zu Krankheitsrückfällen kommen, was aber vor allem bei jüngeren Patienten meist erst nach Jahren der Fall ist. Es gibt nun jedoch neue therapeutische Antikörper mit noch besserer Wirksamkeit und zudem auch eine neue Klasse an Medikamenten, die gezielt in die Signalwege eingreifen, die das Tumorwachstum antreiben. Von beiden Neuerungen versprechen wir uns weitere Fortschritte bei der CLL.

Gibt es auch Fortschritte bei der Behandlung älterer Patienten mit CLL?

Auch für diese Patientengruppe gibt es Fortschritte. Wir haben insbesondere ältere Menschen mit CLL und begleitenden Erkrankungen, wie etwa einer chronischen Herz- oder Nierenerkrankung, in der Vergangenheit meist mit einer milden Chemotherapie behandelt. Das geschah in der Vorstellung, dass man den geschwächten Organismus nicht über Gebühr durch eine aggressive Krebstherapie zusätzlich belasten wollte. Es wurde aktuell jedoch in klinischen Studien gezeigt, dass es auch für die älteren Patienten von Vorteil ist, wenn sie eine Immun-Chemotherapie erhalten. Zu verdanken ist dieser Fortschritt vor allem wiederum den neuen therapeutischen Antikörpern, die eine bessere Wirksamkeit zeigen, aber zugleich sehr gut verträglich sind. So konnte durch die Hinzunahme eines neuen Antikörpers sogar die Lebenszeit der Patienten verlängert und die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung mehr als verdoppelt werden. Das sind beeindruckende Resultate. Die Immun-Chemotherapie ist dadurch nunmehr bei jüngeren wie auch älteren CLL-Patienten Standard bei der Behandlung.

Was wird konkret durch die neuen Behandlungsstrategien erwirkt?

Bis vor rund 20 Jahren lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei Patienten mit einer CLL im fortgeschrittenen Stadium bei etwa eineinhalb bis zwei Jahren, heutzutage beträgt sie mindestens sechs bis sieben Jahre. Wir gehen aber davon aus, durch die neuen Therapiemöglichkeiten diese Zeitspanne weiter und deutlich verlängern zu können.

Welche Fortschritte erwarten Sie in der Zukunft?

Wir erwarten, die Behandlungsregime dank der neuen hochwirksamen und gut verträglichen Optionen so modifizieren zu können, dass man zumindest bei älteren Patienten ganz auf die Chemotherapie verzichten kann. Denn es sind weitere neue Wirkstoffe in der Entwicklung und unsere Vision besteht darin, durch die geschickte Kombination der Substanzen eine alleinige Immuntherapie mit mindestens gleichen Erfolgsaussichten wie bei der bisherigen Immun-Chemotherapie, aber mit besserer Verträglichkeit etablieren zu können. Davon abgesehen hoffen wir, in naher Zukunft die CLL langfristig so gut kontrollieren zu können, dass die Patienten sehr lange mit der Erkrankung leben können und nicht mehr an der CLL versterben. Auf lange Sicht streben wir also weiter an, die CLL komplett heilen zu können. Das ist aus meiner Sicht ein durchaus realisierbares Ziel.

Herr Dr. Goede, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.