14.06.2016

Zielgerichtet auch gegen die Haarzell-Leukämie

Weltweit arbeiten Forscher daran, innovative Krebsmedikamente zu entwickeln, um die Heilungschancen weiter zu verbessern.

Weltweit arbeiten Forscher daran, innovative Krebsmedikamente zu entwickeln, um die Heilungschancen weiter zu verbessern.

Behandlung an den molekularen Veränderungen ausrichten

Auch bei der Haarzell-Leukämie setzen die Krebsforscher in puncto Fortschritt auf eine zielgerichtete Therapie. Es handelt sich bei der Erkrankung um eine seltene Art von Blutkrebs. Fast alle Erkrankten weisen dabei eine Mutation in einem bestimmten Gen, dem sogenannten BRAF-Gen auf. Dieses Gen steuert einen wichtigen Signalweg. Ist das Gen, wie es bei den betroffenen Patienten der Fall ist, übermäßig aktiviert, so begünstigt dies das  Wachstum der Krebszellen.

Eine Mutation des BRAF-Gens liegt oft auch bei anderen Tumoren wie dem schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) vor. Bei diesem Tumor konnten erhebliche Behandlungsfortschritte bei Patienten mit einer BRAF-Mutation gemacht werden, wenn diese mit einem Wirkstoff behandelt werden, der zielgerichtet die durch die Mutation bedingten Veränderungen normalisiert. Es war damit folgerichtig, den Einsatz des BRAF-Hemmers auch bei Patienten mit Haarzell-Leukämie zu erproben.

Wissenschaftler des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) konnten  inzwischen zeigen, dass die Hoffnungen offensichtlich berechtigt sind. Sie haben den Krankheitsverlauf bei 21 Patienten, die auf eine Chemotherapie nicht angesprochen hatten, untersucht. Bei allen Patienten besserte sich das Blutbild unter der Behandlung, ein vollständiges Verschwinden des Tumors wurde bei 40 Prozent der Erkrankten erzielt. Der BRAF-Hemmer scheint damit tatsächlich in der Lage zu sein, den überaktiven Signalweg wieder abzuschalten. In Studien bei größeren Patientenkollektiven muss nun belegt werden, dass sich durch eine solche zielgerichtete Therapie tatsächlich eine Verbesserung der Behandlungserfolge bei den Patienten erwirken lässt.