12.04.2016

Schonender operieren dank Lymphknoten-Diagnostik

Während der OP werden einzelne Lymphknoten mit sogenannten Tracern markiert.

Während der OP werden einzelne Lymphknoten mit sogenannten Tracern markiert.

Lymphbahnen durchziehen den ganzen Körper.

Lymphbahnen durchziehen den ganzen Körper.

Fortschritte beim Brustkrebs

Krebserkrankungen der Brust und der weiblichen Geschlechtsorgane breiten sich zunächst über die Lymphgefäße aus. Sie sind quasi das Drainagesystem des Körpers. Die Wege, die die Tumorzellen dabei nehmen, können Nuklearmediziner mit radioaktiven Substanzen, sogenannten Tracern, sichtbar machen. Diese Art der Lymphknoten-Diagnostik kann dazu beitragen, dass Tumore, wie zum Beispiel der Brustkrebs, schonender operiert werden können. Das hat der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) mitgeteilt. Beim Brustkrebs wird das Verfahren nach Angaben der Mediziner bereits routinemäßig eingesetzt, nicht jedoch beim Gebärmutter-, beim Gebärmutterhals- und beim Vulvakrebs.

„Früher dachte man, dass die Lymphe mehr oder weniger ungeordnet abfließt und es dem Zufall überlassen ist, welchen Lymphknoten die Tumorzellen als erstes befallen“, erklärt Privatdozent Dr. Sherko Kümmel vom Brustzentrum der Kliniken Essen-Mitte. „Inzwischen wissen wir, dass die Lymphgefäße ein geregeltes Kanalisationssystem sind und die Lymphe aus einer Körperregion immer über den gleichen Lymphknoten gefiltert wird.“

Aus dieser Erkenntnis haben die Mediziner gelernt: Wenn man bei der Brustkrebs-Operation den dem Tumor nächstgelegenen, sogenannten Wächterlymphknoten entnimmt und untersucht, lässt sich feststellen, ob der Krebs bereits Metastasen gebildet hat. Denn finden sich im Lymphknoten Krebszellen, ist die Gefahr groß. Ist der Lymphknoten aber frei von Tumorzellen, so ist der Krebs mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht über das Organ hinausgewachsen.

Dann kann auf die Entfernung weiterer Lymphknoten verzichtet und somit deutlich schonender operiert werden. Die Struktur des Lymphsystems bleibt dadurch nach der Operation weitestgehend erhalten und die früher zum Beispiel nach einer Brustkrebs-Operation häufigen Lymphödeme des Armes treten nur noch selten auf.

Markiert wird der Wächterlymphknoten mit einer radioaktiven Substanz (Tracer). Die Untersuchung ist für die Patientin ungefährlich, erläutert der Nuklearmediziner Dr. Norbert Czech aus Bremen: „Die Strahlenmenge ist gering und die Tracer werden nach kurzer Zeit mit dem Urin oder dem Stuhl aus dem Körper wieder ausgeschieden.“