26.08.2011

Durchbruch beim schwarzen Hautkrebs - Sterblichkeitsrisiko wird nachhaltig gesenkt

Eine Art Durchbruch meldeten die Krebsmediziner beim malignen Melanom. So wurden beim amerikanischen Krebskongress in Chicago kürzlich gleich zwei neue Behandlungsformen vorgestellt, die den Tumor bei bestimmten Patienten schrumpfen lassen und die Lebenszeiten deutlich verlängern. Welche Fortschritte konkret erzielt wurden, erläutert Professor Dr. Axel Hauschild von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Campus Kiel in einem Interview.

Herr Professor Hauschild, ist es gerechtfertigt, von einem Durchbruch beim schwarzen Hautkrebs zu sprechen?

Die intensive Forschungstätigkeit der vergangenen Jahre hat durchaus Erfolge zu melden: Beim amerikanischen Krebskongress wurden zwei neue Ansätze vorgestellt, mit denen sich wohl vielen Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung künftig weitaus besser helfen lässt.

Beide Wirkstoffe führen nicht zur Heilung. Aber sie bewirken, dass der Tumor schrumpft und die betroffenen Patienten zum Teil jahrelang weitgehend ungestört mit der Erkrankung leben können. Das ist für mich wirklich ein Durchbruch, wenn man bedenkt, wie schlecht wir Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs bislang helfen konnten.

 

Welche Patienten dürfen hoffen, von der Behandlung zu profitieren?

Besonders spannend ist aus meiner Sicht, dass die beiden neuen Substanzen ganz unterschiedliche Angriffspunkte haben: Einer der beiden Wirkstoffe kurbelt das Immunsystem im Kampf gegen den Hautkrebs an. Das führt bei einer Reihe von Patienten dazu, dass sie zum Teil jahrelang unbehelligt von der Krebserkrankung leben können.

Der zweite neue Wirkstoff setzt gezielt an den Veränderungen in den Krebszellen an. Jeder zweite Patient mit malignem Melanom im fortgeschrittenen Stadium weist eine Veränderung in einem speziellen Gen, dem so genannten BRAF-Gen, auf. Das hat zur Folge, dass Zellen das Signal zum Wachsen erhalten. Dieses unkontrollierte Wachstum, also das Krebswachstum, lässt sich durch einen Wirkstoff stoppen, der genau diese BRAF-Aktivierung hemmt.

In den klinischen Studien haben wir gesehen, dass dies den Tumor rasch schrumpfen lässt. Dadurch werden die meisten Patienten wieder beschwerdefrei. Das geschieht oftmals innerhalb nur einer Woche. Bemerkenswerter noch ist, dass die Behandlung das Sterblichkeitsrisiko der betreffenden Patienten um nahezu 70 Prozent senkt. Das sind sehr beachtliche Fortschritte, die zugleich belegen, dass diese Form der Krebsforschung, die auf die zugrunde liegenden Genveränderungen abzielt, erfolgversprechend ist.

 

Dürfen Menschen mit malignem Melanom auf weitere Fortschritte hoffen?

Ich denke ja. Wir stehen an einem Neuanfang und müssen nunmehr lernen, mit den neuen Wirkstoffen richtig umzugehen und sie richtig einzusetzen. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass es außerdem weitere Neuentwicklungen geben wird.

Wir müssen jetzt erproben, welche Patienten mit welchem Medikament oder welcher Medikamentenkombination am besten zu behandeln sind.                         

 

Herr Professor Hauschild, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.