24.05.2011

Prostatakrebs – den Beckenboden stärken - Mit Kräftigungsübungen beginnen

Männer mit Prostatakrebs können in vielfacher Weise von einer Bewegungstherapie und einem vernünftigen Sportprogramm profitieren. Sie können so dazu beitragen, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und damit nach der Operation die Arbeit des Blasenschließmuskels unterstützen.

Durch den Sport verbessert sich nach Dr. Freerk Baumann von der Sporthochschule Köln außerdem die Körperwahrnehmung und das Nerven-Muskelsystem wird geschult. Die aktive Bewegung wirkt ferner positiv auf die Manneskraft, mindert eine durch die Krebserkrankung bedingte Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue) und verbessert die allgemeine Fitness. „Das alles stärkt nachhaltig wieder das Selbstvertrauen der betroffenen Männer“, sagt Sporttherapeut Dr. Baumann.

Männer mit Prostatakrebs können nach seinen Worten eine Vielzahl von Sport- und Bewegungsformen ausüben. Der Schwerpunkt sollte jedoch zunächst auf gymnastischen Kräftigungsübungen liegen, damit die Beckenbodenmuskulatur trainiert und auf diese Weise einer Blasenschwäche (Inkontinenz) entgegengewirkt wird. Sinnvoll ist nach Baumann auch ein spezielles Kontinenztraining. Zu einem ausgewogenen Kräftigungsprogramm gehören nach seinen Angaben außerdem Übungen für Rücken und Beine, da die Muskulatur in diesen Bereichen unterstützend auf die Beckenbodenmuskulatur wirkt. Neben gymnastischen Übungen ist somit auch das Krafttraining an Großgeräten sinnvoll.

Zu einem Ausdauertraining rät Baumann Männern mit Prostatakrebs erst in einer späteren Phase, wobei zunächst mit Spaziergängen und Walking begonnen werden sollte und gegebenenfalls mit einem Stepping oder Treppensteigen. Mit dem Fahrradfahren sollten die Betreffenden erst vier bis sechs Monate nach der Operation beginnen und auch das nur, wenn die individuelle Schmerzsituation dies zulässt.

„Gut geeignet für Männer mit Prostatakrebs sind Ballspiele wie Volleyball, Fußball oder auch Hockey, doch am besten ohne direkte Körperkontakte“, rät Dr. Baumann. Auch Tennis sowie andere Rückschlagsportarten wie Golf sind meist problemlos möglich. Baumann: „Als ergänzende Maßnahme sind fast immer Entspannungsübungen sinnvoll“.

Eingeschränkt empfehlenswert sind beim Prostatakrebs dagegen Sportarten mit Wettkampfcharakter, mit häufigen Überforderungen und auch Sportarten mit vielen Körperkontakten sowie mit harten Bällen. Aus hygienischen Gründen infolge der Beeinträchtigung des Blasenschließmuskels sind in den ersten Monaten nach der Operation zudem Besuche im Schwimmbad problematisch.   

Weiterführende Informationen – selbstverständlich auch zu Empfehlungen für Patienten mit anderen Tumorformen – finden Interessierte auf der Internetseite www.freerk-baumann.de. Dort gibt es auch Hinweise zu Broschüren und Büchern zum Thema „Sport und Bewegung bei
Krebs“.