09.12.2015

Zehn Irrtümer zur Behandlung von Prostatakrebs

Bei kaum einer Krebsart gibt es so viele Missverständnisse, Vorurteile und Fehlinformationen wie bei der Behandlung von Prostatakrebs, heißt es auf der Internetseite des Westdeutschen Prostatazentrums in Köln (www.westdeutschesprostatazentrum.de).

Auf der Webseite sind die zehn häufigsten Irrtümer zum Prostatakrebs aufgelistet:

1. Die beste Therapie ist die Operation

Früher galt die radikale Entfernung der Prostata als beste Option, den Tumor vollständig zu entfernen und die Lebenszeit zu verlängern. Doch Langzeitstudien belegen für die moderne Strahlentherapie zum Teil bessere Heilungsraten und insgesamt deutlich weniger Nebenwirkungen.

2. Nach der Operation ist der Tumor weg

Bei rund einem Drittel aller Patienten kommt es nach einer gewissen Zeit zum Wiederauftreten der Erkrankung, einem sogenannten Rezidiv. Das Risiko hängt davon ab, mit welcher Wahrscheinlichkeit einzelne Tumorzellen zum Zeitpunkt der Diagnose die Prostata bereits verlassen haben.

3. Beim Prostatakrebs bietet die OP beste Heilungschancen

Studien zeigen, dass die Operation bei fortgeschrittenen Tumoren keine gute Option ist, da sich oft Ausläufer des Tumors außerhalb des Schnittrandes befinden und nach der OP erneut wachsen können. Deshalb sind organüberschreitende Behandlungsformen wie die innere Bestrahlung (Brachytherapie) besser geeignet, da sie auch die Randbereiche der Prostata in die Behandlung einbeziehen.

4. Nach der Diagnose sollte die Therapie schnell beginnen

Prostatakrebs ist in aller Regel ein langsam wachsender Krebs. Deshalb sollten sich Männer, bei denen ein Tumor diagnostiziert wird, genügend Zeit nehmen, um gemeinsam mit dem behandelnden Arzt eine für sie stimmige Entscheidung zu treffen.

5. Jüngere Patienten sollten operiert werden

Jüngere Männer profitieren in besonderem Maße von einer modernen Brachytherapie/Strahlentherapie. Sie haben dann bessere Heilungschancen und ein geringeres Inkontinenz- und Impotenzrisiko.

6. Männer über 75 sollten nicht mehr behandelt werden

Die Lebenserwartung hängt nicht alleine vom Alter, sondern von vielen zusätzlichen Faktoren wie Begleiterkrankungen, körperlicher Fitness, aber auch der Selbstständigkeit und geistigen Agilität ab. Viele Senioren stehen auch jenseits der 75 noch mitten im Leben, sind körperlich aktiv, vielseitig interessiert und sollten deshalb die gleiche Therapie erhalten wie jüngere Prostatakrebs-Patienten.

7. Bei Mini-Implantaten (Seeds) kommt es zu „Strahlenlücken“

Bei der Planung der Bestrahlung wird festgelegt, wie viel Strahlendosis der Tumor und die Prostata bekommen sollen. Die anschließend durchgeführte Seed-Implantation garantiert, dass alle Bereiche der Prostata und des Tumors mindestens diese Strahlenmenge erhalten.

8. Nach einer Strahlentherapie kann nicht mehr operiert werden

Das Risiko, dass sich durch die Strahlenbehandlung Verwachsungen bilden, die als Hinderungsgrund für eine OP gelten, ist heutzutage weitaus geringer als früher.

9. Eine Strahlentherapie der Prostata begünstigt das Auftreten von Blasen- und Darmkrebs

Die Furcht, dass nach erfolgreicher Strahlenbehandlung ein Zweittumor entsteht, ist unbegründet. Das belegen zahlreiche Studien.

10. Eine Operation mittels eines Roboters senkt das Risiko von Inkontinenz und Impotenz

Die Roboter-assistierte Operation, die oft als „schonende“ Behandlungsoption angeführt wird, ist mit einem höheren Nebenwirkungsrisiko behaftet als oft angegeben.